Epilog
1854Wie auf dem Felde die Weizenhalmen, So wachsen und wogen im Menschengeist Die Gedanken. Aber die zarten Gedanken der Liebe Sind wie lustig dazwischenblühende, Rot und blaue Blumen.
Rot und blaue Blumen! Der mürrische Schnitter verwirft euch als nutzlos, Hölzerne Flegel zerdreschen euch höhnend, Sogar der hablose Wanderer, Den eur Anblick ergötzt und erquickt, Schüttelt das Haupt, Und nennt euch schönes Unkraut. Aber die ländliche Jungfrau, Die Kränzewinderin, Verehrt euch und pflückt euch, Und schmückt mit euch die schönen Locken, Und also geziert, eilt sie zum Tanzplatz, Wo Pfeifen und Geigen lieblich ertönen, Oder zur stillen Buche, Wo die Stimme des Liebsten noch lieblicher tönt Als Pfeifen und Geigen.
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Interpretation
Das Gedicht "Epilog" von Heinrich Heine verwendet das Bild von Weizenhalmen und Blumen auf einem Feld als Metapher für die Gedanken im menschlichen Geist. Die Weizenhalmen repräsentieren die alltäglichen, nützlichen Gedanken, während die roten und blauen Blumen die zarten Gedanken der Liebe symbolisieren. Diese Liebesgedanken sind wie Blumen, die zwischen den Weizenhalmen blühen und Farbe und Schönheit in das Feld bringen. Das Gedicht beschreibt, wie die Gesellschaft diese Liebesgedanken oft missachtet und verachtet. Der mürrische Schnitter, der die Weizenhalmen erntet, verwirft die Blumen als nutzlos. Sogar der Wanderer, der sich an ihrem Anblick erfreut, nennt sie "schönes Unkraut". Dies verdeutlicht, dass die Gesellschaft die Bedeutung der Liebe und ihrer Gedanken oft unterschätzt und als unwichtig ansieht. Doch am Ende des Gedichts zeigt sich, dass die Liebe und ihre Gedanken einen besonderen Wert haben. Die ländliche Jungfrau, die Kränzewinderin, verehrt die Blumen und pflückt sie, um sich damit zu schmücken. Sie trägt die Blumen im Haar und eilt zum Tanzplatz oder zur stillen Buche, wo die Stimme des Liebsten noch lieblicher klingt als die Musik der Pfeifen und Geigen. Dies zeigt, dass die Liebe und ihre Gedanken für diejenigen, die sie wertschätzen, von unschätzbarem Wert sind und ihnen Freude und Schönheit im Leben bringen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Wo Pfeifen und Geigen lieblich ertönen, Oder zur stillen Buche, Wo die Stimme des Liebsten noch lieblicher tönt Als Pfeifen und Geigen
- Kontrast
- Selbst der hablose Wanderer, Den eur Anblick ergötzt und erquickt, Schüttelt das Haupt, Und nennt euch schönes Unkraut
- Metapher
- Wie auf dem Felde die Weizenhalmen, So wachsen und wogen im Menschengeist Die Gedanken
- Personifikation
- Der mürrische Schnitter verwirft euch als nutzlos, Hölzerne Flegel zerdreschen euch höhnend
- Vergleich
- Aber die zarten Gedanken der Liebe Sind wie lustig dazwischenblühende, Rot und blaue Blumen