Entschwunden

Emmanuel Geibel

unknown

Einstmals hab ich ein Lied gewußt, Einst, in goldenen Stunden, Sang ich′s, da ich ein Kind noch war, Aber mir ist′s entschwunden.

Lieblich schwebte die Weise hin, weich wie Schwanengefieder; Ach, wohl such′ ich durch Feld und Wald, Finde nimmer sie wieder.

Manchmal mein ich, es wogt ihr Laut Über der Flur in den Winden; Aber es ist verhallt im Nu, Will ich ihn greifen und binden.

Oft auch, wenn ich bei Nacht entschlief, Streift urplötzlich und leise Über mein Herz mit Traumeshand Die verlorene Weise.

Aber fahr′ ich vom Kissen auf, Kann ich mich nimmer besinnen; Nur vom Auge noch fühl ich sacht Brennende Tränen rinnen.

Und doch mein ich: fänd ich den Klang, All die heimlichen Schmerzen Könnt, ich wieder, wie einst als Kind, Mir wegsingen vom Herzen.

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Illustration zu Entschwunden

Interpretation

Das Gedicht "Entschwunden" von Emmanuel Geibel handelt von der Sehnsucht nach einer verloren geglaubten Kindheitserinnerung, symbolisiert durch ein Lied. Der Sprecher erinnert sich an eine Zeit, in der er dieses Lied kannte und sang, aber es ist ihm nun entschwunden, und er sucht vergeblich danach. Der Sprecher beschreibt seine vergeblichen Versuche, das Lied wiederzufinden. Er durchstreift Felder und Wälder, in der Hoffnung, die Melodie zu hören, aber sie bleibt unauffindbar. Manchmal meint er, den Klang in den Winden zu hören, doch er verhallt, bevor er ihn greifen kann. Auch in Träumen streift die verlorene Weise über sein Herz, aber sobald er aufwacht, kann er sich nicht mehr daran erinnern. Das Gedicht vermittelt ein tiefes Gefühl von Verlust und Nostalgie. Der Sprecher sehnt sich danach, das Lied wiederzufinden, da er glaubt, dass es ihm helfen könnte, seine verborgenen Schmerzen zu lindern, wie es einst als Kind der Fall war. Die Tränen, die ihm beim Erwachen aus den Träumen über die Wangen laufen, symbolisieren die Intensität seiner Sehnsucht und den Schmerz über den Verlust dieser kostbaren Erinnerung.

Schlüsselwörter

einst kind weise nimmer einstmals hab lied gewußt

Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Brennende Tränen rinnen
Hyperbel
Ach, wohl such' ich durch Feld und Wald, Finde nimmer sie wieder
Metapher
Streift urplötzlich und leise Über mein Herz mit Traumeshand
Personifikation
Manchmal mein ich, es wogt ihr Laut Über der Flur in den Winden