Entführung
1863Ach! aus Träumen fahr ich in die graue Luft, in die kalte starr′ ich. Ach, dein Samum war ich, du mein Ambraduft.
Durch die helle Wüste glühtest du dahin, und dein Atem küßte und dein Kuß versüßte Seele mir und Sinn.
Einsamkeiten hingen tief ins fliehende Land; Sonnenstill ein Ringen und mit Allahschwingen hielt ich dich umspannt,
riß ich dich nach oben, du mein Ambraduft Glut in Glut verwoben bist du mir zerstoben, in die graue Luft.
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Interpretation
Das Gedicht "Entführung" von Richard Dehmel schildert eine intensive, fast mystische Begegnung zwischen zwei Personen, die in einer Traumwelt beginnt und sich in eine leidenschaftliche, sinnliche Erfahrung verwandelt. Die erste Strophe setzt eine melancholische Stimmung, die durch den Übergang von Träumen in die "graue Luft" und die "kalte" Starre gekennzeichnet ist. Die Person, die als "Samum" bezeichnet wird, ist der Atem oder die Lebenskraft, die den Erzähler durch die "kalte" Realität trägt. In der zweiten Strophe wird die Reise durch eine "helle Wüste" beschrieben, wo die Hitze und die Leidenschaft durch den Atem und den Kuss des Partners verstärkt werden. Die Seele und der Sinn des Erzählers werden durch diese Erfahrung erfüllt und berührt. Die dritte Strophe verstärkt die Intensität der Begegnung, indem sie die Einsamkeiten und das Ringen in der Sonne beschreibt. Der Erzähler hält den Partner in einer Art spiritueller Umarmung, die von "Allahatswingen" getragen wird. Die letzte Strophe führt zu einem Höhepunkt der Leidenschaft, wo der Erzähler den Partner "nach oben reißt" und sie in einem "Glut in Glut verwoben" Zustand vereint sind. Doch dieser Höhepunkt ist flüchtig, und der Partner "zerstoben" in die "graue Luft", was die Vergänglichkeit und die Unerreichbarkeit dieser intensiven Erfahrung unterstreicht. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Verlustes und der Sehnsucht nach einer Wiederholung dieser tiefen, spirituellen Verbindung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- [Ach! aus Träumen fahr ich in die graue Luft, in die kalte starr' ich. Ach, dein Samum war ich]
- Kontrast
- [aus Träumen fahr ich in die graue Luft Seele mir und Sinn Glut in Glut verwoben bist du mir zerstoben, in die graue Luft]
- Metapher
- [Ach, dein Samum war ich du mein Ambraduft in die kalte starr' ich Durch die helle Wüste glühtest du dahin Sonnenstill ein Ringen mit Allahschwingen hielt ich dich umspannt]
- Personifikation
- [dein Atem küßte dein Kuß versüßte]