Entflieht

Stefan George

1933

Entflieht auf leichten kähnen Berauschten sonnenwelten Dass immer mildre tränen Euch eure flucht entgelten.

Seht diesen taumel blonder Lichtblauer traumgewalten Und trunkner wonnen sonder Verzückung sich entfalten.

Dass nicht der süße schauer In neues leid euch hülle - Es sei die stille trauer Die diesen frühling fülle.

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Illustration zu Entflieht

Interpretation

Das Gedicht "Entflieht" von Stefan George thematisiert das Streben nach Flucht und Entrückung aus dem Alltag. Die ersten beiden Strophen laden dazu ein, auf leichten Kähnen den berauschenden Sonnenwelten zu entfliehen. Dort sollen milde Tränen als Entgelt für die Flucht fließen. Der Taumel blonder Lichtblauer Traumgewalten und trunkenen Wollens soll sich ohne Verzückung entfalten. In der letzten Strophe warnt George vor der Gefahr, dass der süße Schauer in neues Leid hüllen könnte. Er plädiert dafür, dass die Stille Trauer diese Frühlingsfülle sei. Es geht ihm wohl darum, dass eine ungezügelte Flucht ins Traumhafte und Rauschhafte nicht das Ziel sein kann. Vielmehr soll ein stilles, trauerndes Innehalten die wahre Erfüllung bringen. Insgesamt vermittelt das Gedicht den Konflikt zwischen dem Wunsch nach Flucht und Entrückung einerseits und der Einsicht in die Notwendigkeit von Trauer und Innehalten andererseits. George plädiert für ein Maßhalten und einen behutsamen Umgang mit der eigenen Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Leichten kähnen
Assonanz
Berauschten sonnenwelten
Bildsprache
Taumel blonder lichtblauer traumgewalten
Enjambement
Entflieht / Auf leichten kähnen
Kontrast
Süße schauer / Neues leid
Metapher
Sonnenwelten
Personifikation
Trunkner wonnen sich entfalten
Symbolik
Frühling