Entbietung
Schmück dir das Haar mit wildem Mohn,
die Nacht ist da,
all ihre Sterne glühen schon.
All ihre Sterne glühn heut Dir!
du weißt es ja:
all ihre Sterne glühn in mir!
Dein Haar ist schwarz, dein Haar ist wild
und knistert unter meiner Glut;
und wenn die schwillt,
jagt sie mit Macht
die roten Blüten und dein Blut
hoch in die höchste Mitternacht.
In deinen Augen glimmt ein Licht,
so grau in grün,
wie dort die Nacht den Stern umflicht.
Wann kommst du?! – Meine Fackeln lohn!
laß glühn, laß glühn!
schmück mir dein Haar mit wildem Mohn!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Entbietung“ von Richard Dehmel ist ein leidenschaftlicher Liebesruf, der von intensiver Sehnsucht und dem Drang nach Vereinigung durchdrungen ist. Es beschreibt die Erwartung und das Verlangen nach der Geliebten, indem es Naturmetaphern und sinnliche Bilder verwendet, um die emotionale Tiefe und die erotische Spannung zu erzeugen. Das Gedicht ist in zwei Strophen mit jeweils sechs Versen gegliedert, was die Intensität und Dringlichkeit des Sprechers noch verstärkt.
Die ersten Verse zeichnen ein Bild der einbrechenden Nacht, geschmückt mit Sternen, die auf die Geliebte ausgerichtet sind. Der wild blühende Mohn im Haar der Geliebten dient als Symbol für Sinnlichkeit und Leidenschaft. Die Zeile „All ihre Sterne glühn heut Dir! / du weißt es ja: / all ihre Sterne glühn in mir!“ offenbart die tiefe Verbundenheit zwischen den Liebenden, in der die Sterne sowohl die Geliebte als auch den Sprecher in ihrem Glanz vereinen. Dies deutet auf eine emotionale Verschmelzung und eine gegenseitige Erwartung hin.
Die zweite Strophe intensiviert die sinnlichen Eindrücke, indem sie das schwarze, wilde Haar der Geliebten beschreibt, das unter dem „Glut“ des Sprechers knistert. Die Metapher der „roten Blüten“ und des „Blutes“, die in die „höchste Mitternacht“ getrieben werden, erzeugt ein Bild von ekstatischer Leidenschaft und dem Wunsch nach Hingabe. Die Augen der Geliebten, die „grau in grün“ leuchten wie die Sterne, verstärken die Sehnsucht und die mystische Atmosphäre. Die Frage „Wann kommst du?!“ ist ein verzweifelter Ausruf, der die Ungeduld und das sehnsüchtige Warten des Sprechers widerspiegelt.
Die Verwendung von Imperativen wie „Schmück dir das Haar“ und „laß glühn“ unterstreicht die Direktheit und den Befehlscharakter des Gedichts, das eine unbedingte Aufforderung zur Vereinigung darstellt. Die Wiederholung des Refrains „schmück mir dein Haar mit wildem Mohn!“ am Ende verstärkt das Verlangen nach der Erfüllung der Liebe und die Sehnsucht nach der Ankunft der Geliebten. Das Gedicht ist somit eine poetische Inszenierung der Liebe, die auf einer sinnlichen, emotionalen und spirituellen Ebene stattfindet und die Intensität der Erwartung und des Begehrens zum Ausdruck bringt.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.