Enis vor Harun al Raschid

Otto Erich Hartleben

1883

Unter meinen Wunderhänden wächst ein Lied zum Preis der Schönheit: alle Töne wollen klingen, schwingen jeder Laut.

Und ich beuge mich am Werke, kaum dass ich die Augen hebe – unter meinen Wunderhänden wächst ein Lied zum Preis der Schönheit.

Nichts wird dir verborgen bleiben, dir entfalten soll ich Alles, ja das Bild des Lebens selber soll sich strahlend dir verdichten unter meinen Wunderhänden.

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Illustration zu Enis vor Harun al Raschid

Interpretation

Das Gedicht "Enis vor Harun al Raschid" von Otto Erich Hartleben beschreibt die intensive kreative Arbeit eines Künstlers, der ein Lied zur Ehre der Schönheit schafft. Die "Wunderhände" des Sprechers sind das Werkzeug, durch das das Lied Gestalt annimmt und alle Töne zum Klingen gebracht werden. Der Schaffensprozess ist geprägt von einer tiefen Versenkung in die Arbeit, wobei der Künstler sich kaum von seiner Aufgabe erhebt. Die Wiederholung des ersten Strophenverses am Ende der zweiten Strophe unterstreicht die kontinuierliche und fokussierte Natur des kreativen Prozesses. Der Künstler ist vollkommen in seiner Arbeit aufgegangen, was die Intensität und Hingabe widerspiegelt, mit der er das Lied formt. Diese Versenkung in die Kunst deutet auf eine Art von Ekstase oder Transzendenz hin, bei der der Künstler eins mit seinem Werk wird. Im letzten Strophenabschnitt wendet sich der Künstler direkt an Harun al Raschid, den Empfänger des Liedes. Er verspricht, dass nichts verborgen bleiben wird und dass er alles enthüllen wird, einschließlich des "Bildes des Lebens" selbst. Dies impliziert, dass das Lied nicht nur die Schönheit preist, sondern auch eine tiefere Wahrheit oder Essenz des Lebens offenbart. Die "Wunderhände" des Künstlers werden somit zu einem Medium, durch das das Leben selbst in seiner ganzen Strahlkraft verdichtet und dargestellt wird.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
alle Töne wollen klingen
Anapher
Unter meinen Wunderhänden wächst ein Lied zum Preis der Schönheit
Enjambement
kaum dass ich die Augen hebe – unter meinen Wunderhänden wächst ein Lied zum Preis der Schönheit
Metapher
Unter meinen Wunderhänden wächst ein Lied zum Preis der Schönheit