Das ist ein Jammer, mit Lady und Miß erst durch sich zu kämpfen,
Und drei Stunden und mehr steh′ ich und wart′ ich nun schon.
Traun das Reisen ist doch beschwerlich, ich wär′ es zufrieden,
Wär′ es doch einmal vorbei, hätt′ ich′s doch einmal gehört.
Engländer im Miserere
Mehr zu diesem Gedicht
Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Engländer im Miserere“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine ironische Betrachtung der Unannehmlichkeiten, die mit dem Erleben eines kulturellen Ereignisses, vermutlich in Italien, verbunden sind. Der kurze Text, der aus nur vier Versen besteht, zeichnet ein Bild von Erschöpfung und Ungeduld, die durch die Anwesenheit von englischen Touristinnen noch verstärkt wird. Die Wahl des Titels „Engländer im Miserere“ deutet auf eine Auseinandersetzung mit den Traditionen und Erwartungen der Kirche hin, die im Kontrast zu den persönlichen Empfindungen des Sprechers steht.
Der erste Vers etabliert sofort die Quelle der Beschwerde: die Gesellschaft von „Lady und Miß“. Die Formulierung „durch sich zu kämpfen“ lässt auf eine unbehagliche Situation schließen, möglicherweise auf ein Gedränge oder eine unangenehme Interaktion. Die nächsten beiden Verse steigern die Frustration, indem sie die lange Wartezeit und die allgemeine Müdigkeit des Reisenden betonen. Die wiederholte Verwendung von „ich“ unterstreicht die persönliche Erfahrung und die damit verbundene Sehnsucht nach dem Ende der Tortur. Der Sprecher wünscht sich sehnlichst, dass das Ereignis vorbei ist und er es endlich hinter sich hat.
Der letzte Vers offenbart das eigentliche Motiv des Gedichts: die ersehnte Erlösung von der langwierigen Erfahrung. Die wiederholte Betonung „hätt‘ ich’s doch einmal gehört“ deutet darauf hin, dass der Sprecher sich nicht für das Miserere, sondern für das Erleben der Situation interessiert. Die Ironie liegt darin, dass die Erwartung und die tatsächliche Erfahrung des religiösen Rituals von Frustration und Ungeduld überschattet werden, ein Kontrast, der das Gedicht prägt.
Waiblingers Gedicht ist ein subtiler Kommentar über die oft widersprüchlichen Erfahrungen des Reisens und der Auseinandersetzung mit fremden Kulturen. Es fängt das Gefühl der Ermüdung ein, das entstehen kann, wenn man sich in einer touristischen Umgebung befindet, in der die äußeren Eindrücke und sozialen Interaktionen die eigentliche Erfahrung des spirituellen Erlebnisses überschatten. Der Fokus auf die persönliche Frustration und die Sehnsucht nach dem Ende des Ereignisses macht das Gedicht zu einer unterhaltsamen und leicht nachvollziehbaren Beobachtung der menschlichen Natur.
Weitere Informationen
Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.
Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.
