Engel-Ehe
1885Wie Flederwisch und Bürste sie regiert! Glas und Gerät, es blitzt nur alles so Und lacht und lebt! Nur, ach, sie selber nicht. Ihr schmuck Gesicht, dem Manne ihrer Wahl, Wenn ihre wirtschaftliche Bahn er kreuzt, Gleich einer Maske hält sie′s ihm entgegen; Und fragt er gar, so wirft sie ihm das Wort Als wie dem Hunde einen Knochen zu. Denn er ist schuld an allem, was sie plagt, Am Trotz der Mägde, an den großen Wäschen, Am Tagesmühsal und der Nächte Wachen, Schuld an dem schmutz′gen Pudel und den Kindern. - Und er? - Er weiß, wenn kaum der grimme Tod Sein unverkennbar Mal ihm aufgeprägt, Dann wird, der doch in jedem Weibe schläft, Der Engel auch in seinem Weib erwachen; Ihr eigen Weh bezwingend, wird sie dann, Was aus der Jugend Süßes ihr verblieb, Heraufbeschwören; leuchten wird es ihm Aus ihren Augen, lind wie Sommeratem Wird dann ihr Wort zu seinem Herzen gehn. - Doch wähnet nicht, daß dies ihn tröste! Nein, Den künft′gen Engel, greulich haßt er ihn; Er magert ab, er schlottert im Gebein, Er wird daran ersticken jedenfalls. Doch eh ihm ganz die Kehle zugeschnürt, Muß er sein Weib in Himmelsglorie sehn; Die Rede, die er brütend ausstudiert, Womit vor seinem letzten Atemzug, Jedwedes Wort wie Schwert, auf einen Schlag Er alles Ungemach ihr hat vergelten wollen, Er wird sie nimmer halten; Segenstammeln Wird noch von seinen toten Lippen fliehn. Das alles weiß er, und es macht ihn toll; Er geht umher und fluchet innerlich. Ja, manches Mal im hellsten Sonnenschein Durchfährt es ihn, als stürz er in das Grab. Es war sein Weib, sie sprach ein sanftes Wort; Und zitternd blickt er auf: »Oh, Gott sei Dank, Noch nicht, noch nicht das Engelsangesicht!«
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Interpretation
Das Gedicht "Engel-Ehe" von Theodor Storm beschreibt die Ehe des lyrischen Ichs als eine eher unglückliche Verbindung. Die Frau wird als eine dominante, zornige und unzufriedene Person dargestellt, die ihren Mann für alle Probleme verantwortlich macht. Sie ist mit der Ehe und den Kindern unglücklich und zeigt ihrem Mann nur eine "Maske" statt Zuneigung. Das Gedicht beschreibt die Ehe als eine "Engel-Ehe", da der Mann davon überzeugt ist, dass seine Frau nach seinem Tod zu einem Engel wird und ihn dann lieben wird. Er hasst diesen zukünftigen Engel jedoch und sehnt sich danach, dass seine Frau noch nicht zu einem Engel geworden ist, da er befürchtet, dass er dann nicht mehr in der Lage sein wird, ihr alles Ungemach zu vergelten, bevor er stirbt. Das Gedicht endet mit der Hoffnung des Mannes, dass seine Frau noch nicht zu einem Engel geworden ist, da er befürchtet, dass er dann nicht mehr in der Lage sein wird, ihr alles Ungemach zu vergelten, bevor er stirbt. Er geht umher und flucht innerlich, da er weiß, dass er sterben wird und seine Frau zu einem Engel wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Sommeratem
- Hyperbel
- jedes Wort wie Schwert
- Ironie
- Den künft'gen Engel, greulich haßt er ihn
- Kontrast
- hellsten Sonnenschein / stürz er in das Grab
- Metapher
- Gleich einer Maske hält sie's ihm entgegen
- Personifikation
- Glas und Gerät, es blitzt nur alles so
- Vergleich
- Als wie dem Hunde einen Knochen zu
- Vorahnung
- Wenn kaum der grimme Tod Sein unverkennbar Mal ihm aufgeprägt