Ende

Gertrud Kolmar

unbekannt

Wenn ich ernstlich traurig bin, kann ich keinen Vers mehr schreiben; Ich sitze schweigend im Kahn Und laß mich stromabwärts treiben. Ich werde kein Ruder finden, Ich werde kein Steuer brauchen; Wenn meine Liebe, mein Leid es will, Mag ich kentern und tauchen.

Wenn ich ganz verzweifelt bin, Kann ich nicht bemessend klügeln; Mein Schrei ist Schrill und gehetzt ? Soll ich ihn greifen und zügeln? Nie werden zerlumpte Gedanken mehr Glatte, glänzende Zeilen; Mein Herz ist ein blutiger Klump, Da kann ich nichts formen noch feilen.

Der Tiefste Gram kennt keinen Reim, Lässt sich nicht in Büchern sammeln; Er ist im wilden Land daheim, Wo kindliche Laute noch stammeln; Find ich ihn in mir, so find ich auch Gold Einen Leuchter zu schmieden; Ich will ihn zünden und schlafen gehen In Frieden.

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Illustration zu Ende

Interpretation

Das Gedicht "Ende" von Gertrud Kolmar beschreibt die Unfähigkeit des lyrischen Ichs, in tiefen emotionalen Zuständen wie Trauer und Verzweiflung zu dichten. Wenn das Ich ernsthaft traurig ist, kann es keine Verse mehr schreiben und lässt sich stattdessen wie ein Boot stromabwärts treiben, ohne Ruder oder Steuer zu benötigen. Es ist bereit, zu kentern und zu tauchen, wenn seine Liebe und sein Leid es so wünschen. In einem Zustand der Verzweiflung kann das Ich nicht mehr klügelnd und bemessend denken. Sein Schrei ist schrill und gehetzt, und es fragt sich, ob es ihn greifen und zügeln soll. Zerlumpte Gedanken können keine glatten, glänzenden Zeilen mehr formen. Das Herz des Ichs ist ein blutiger Klumpen, aus dem es nichts formen oder feilen kann. Das Gedicht schließt mit der Erkenntnis, dass der tiefste Gram keinen Reim kennt und sich nicht in Büchern sammeln lässt. Er ist im wilden Land daheim, wo kindliche Laute noch stammeln. Wenn das Ich den tiefsten Gram in sich findet, findet es auch Gold, um einen Leuchter zu schmieden. Es will diesen Leuchter anzünden und in Frieden schlafen gehen.

Schlüsselwörter

kann keinen mehr werde kein will find ernstlich

Wortwolke

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Stilmittel

Bildlichkeit
[Stromabwärts treiben Kentern und tauchen Blutiger Klump]
Hyperbel
[Der Tiefste Gram kennt keinen Reim]
Kontrast
[Gold...Einen Leuchter zu schmieden]
Metapher
[Ich sitze schweigend im Kahn Ich werde kein Ruder finden Ich werde kein Steuer brauchen Mein Herz ist ein blutiger Klump]
Personifikation
[Wenn meine Liebe, mein Leid es will]