Eltern und Kinder
1866Die wir sandten in das Leben, Zage Mädchen, wilde Knaben: Könnten ihnen wir doch geben, Was wir selbst errungen haben!
Könnten wir an sie vererben Unser Wissen, unser Wollen - Eignem Mangel, eignem Sterben Würden wir nicht weiter grollen!
Aber eng in sich beschlossen Bleibt ein menschliches Erreichen - Kinder sind nur Leidgenossen, Denen wir am Ende weichen:
Die auf andern wirren Bahnen Unbelehrt zum Ziele wandern Und bei vielem gar nicht ahnen, Daß auch wir′s erlebt - wir Andern.
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Interpretation
Das Gedicht "Eltern und Kinder" von Hanns von Gumppenberg beschäftigt sich mit den Themen der Elternschaft, der Unmöglichkeit, Wissen und Erfahrungen an die nächste Generation weiterzugeben, und der Unausweichlichkeit des Todes. Es reflektiert die tiefe Sehnsucht der Eltern, ihre Kinder vor den Fehlern und dem Leid zu bewahren, das sie selbst erfahren haben. Im ersten Teil des Gedichts äußern die Eltern den Wunsch, ihren Kindern das Leben zu erleichtern, indem sie ihnen ihr erworbenes Wissen und ihre Erfahrungen vererben. Sie träumen davon, die Kinder vor den eigenen Mängeln und dem eigenen Sterben zu bewahren, um so den eigenen Unmut über die Begrenztheit des Lebens zu mildern. Dieser Wunsch wird jedoch schnell als unrealistisch entlarvt. Im zweiten Teil des Gedichts wird deutlich, dass jeder Mensch seine Errungenschaften und Erkenntnisse für sich behalten muss. Die Kinder werden als "Leidgenossen" bezeichnet, die letztendlich den Eltern im Leben vorausgehen und sterben werden. Die Eltern erkennen, dass die Kinder auf ihren eigenen, oft verwirrenden Lebenswegen wandeln werden, ohne die Erfahrungen der Eltern zu berücksichtigen oder zu verstehen. Dies führt zu einem Gefühl der Resignation und der Erkenntnis, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen muss, unabhängig von den Erfahrungen der vorherigen Generation.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wir sandten in das Leben
- Anapher
- Könnten ihnen wir doch geben, / Könnten wir an sie vererben
- Chiasmus
- Daß auch wir's erlebt - wir Andern
- Hyperbel
- Kinder sind nur Leidgenossen
- Kontrast
- Zage Mädchen, wilde Knaben
- Metapher
- Die wir sandten in das Leben
- Personifikation
- Eignem Mangel, eignem Sterben / Würden wir nicht weiter grollen