Elisabeth

Theodor Storm

1843

Meine Mutter hat′s gewollt, Den andern ich nehmen sollt; Was ich zuvor besessen, Mein Herz sollt es vergessen; Das hat es nicht gewollt.

Meine Mutter klag ich an, Sie hat nicht wohlgetan; Was sonst in Ehren stünde, Nun ist es worden Sünde. Was fang ich an?

Für all mein Stolz und Freud Gewonnen hab ich Leid. Ach, wär das nicht geschehen, Ach, könnt ich betteln gehen Über die braune Heid!

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Illustration zu Elisabeth

Interpretation

Das Gedicht "Elisabeth" von Theodor Storm thematisiert die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs, das von der Mutter dazu gedrängt wurde, eine andere Person zu heiraten, anstatt die geliebte Elisabeth. Das Herz des lyrischen Ichs konnte die frühere Liebe jedoch nicht vergessen, was zu einem tiefen Konflikt führt. Die Mutter wird für diese Entscheidung verantwortlich gemacht, da sie das, was eigentlich in Ehren stehen sollte, zu einer Sünde gemacht hat. Die zweite Strophe verdeutlicht die Konsequenzen dieser erzwungenen Entscheidung. Anstelle von Stolz und Freude erntet das lyrische Ich nur Leid. Die Klage über das Geschehene ist deutlich spürbar, und es wird der Wunsch nach einer anderen Realität ausgedrückt. Die Vorstellung, betteln gehen zu können über die braune Heide, symbolisiert den Wunsch nach einem einfacheren, vielleicht sogar freieren Leben, fernab der gesellschaftlichen Zwänge und Erwartungen. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Tragik einer erzwungenen Lebensentscheidung und die daraus resultierende emotionale Verwüstung. Das lyrische Ich ist gefangen in einer Situation, die es nicht gewollt hat, und leidet unter den Folgen einer Entscheidung, die von äußeren Umständen und familiären Erwartungen diktiert wurde. Die Klage über das verlorene Glück und die Sehnsucht nach einem anderen Leben sind zentrale Motive, die die tiefe Verzweiflung und Resignation des lyrischen Ichs widerspiegeln.

Schlüsselwörter

mutter gewollt sollt andern nehmen zuvor besessen herz

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Meine Mutter
Ausruf
Ach, wär das nicht geschehen, Ach, könnt ich betteln gehen
Rhetorische Frage
Was fang ich an?