Elis
1913Vollkommen ist die Stille dieses goldenen Tags. Unter alten Eichen Erscheinst du, Elis, ein Ruhender mit runden Augen.
Ihre Bläue spiegelt den Schlummer der Liebenden. An deinem Mund Verstummten ihre rosigen Seufzer.
Am Abend zog der Fischer die schweren Netze ein. Ein guter Hirt Führt seine Herde am Waldsaum hin. O! wie gerecht sind, Elis, alle deine Tage.
Leise sinkt An kahlen Mauern des Ölbaums blaue Stille, Erstirbt eines Greisen dunkler Gesang.
Ein goldener Kahn Schaukelt, Elis, dein Herz am einsamen Himmel.
Ein sanftes Glockenspiel tönt in Elis′ Brust -. Am Abend, Da sein Haupt ins schwarze Kissen sinkt.
Ein blaues Wild Blutet leise im Dornengestrüpp.
Ein brauner Baum steht abgeschieden da; Seine blauen Früchte fielen von ihm.
Zeichen und Sterne Versinken leise im Abendweiher.
Hinter dem Hügel ist es Winter geworden.
Blaue Tauben Trinken nachts den eisigen Schweiß, Der von Elis′ kristallener Stirne rinnt.
Immer tönt An schwarzen Mauern Gottes einsamer Wind.
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Interpretation
Das Gedicht "Elis" von Georg Trakl ist ein lyrisches Werk, das von einer tiefen Stille und einer mystischen Atmosphäre durchdrungen ist. Der Titelheld Elis wird als eine ruhige und fast schlafende Figur dargestellt, deren Anwesenheit die Natur um ihn herum in einen Zustand der vollkommenen Ruhe versetzt. Die Beschreibung von Elis mit "runden Augen" und der Spiegelung der "Liebenden" in ihrer Bläue verleiht dem Gedicht eine traumhafte Qualität. Die Naturbilder, wie der alte Eichenwald, der Fischer und der Hirte, unterstreichen die Idylle und die Gerechtigkeit, die Elis' Tage prägen. Die zweite Hälfte des Gedichts vertieft die mystische Stimmung durch Bilder von Stille, die an kahlen Mauern sinkt, und einem goldenen Kahn, der Elis' Herz am einsamen Himmel schaukelt. Das Glockenspiel in Elis' Brust und der Abend, an dem sein Haupt ins schwarze Kissen sinkt, verstärken die Vorstellung von Elis als einer Figur, die zwischen Wachsein und Schlaf, Leben und Tod schwebt. Die blauen Tauben, die den eisigen Schweiß von Elis' Stirne trinken, und der einsame Wind, der an schwarzen Mauern Gottes weht, fügen eine spirituelle Dimension hinzu und deuten auf eine Verbindung zwischen Elis und dem Göttlichen. Insgesamt ist "Elis" ein Gedicht, das durch seine reiche Symbolik und seine dichte, bildhafte Sprache eine Atmosphäre der Stille und des Geheimnisvollen schafft. Trakl verwendet die Natur als Spiegelbild für Elis' innere Welt und deutet an, dass Elis eine Figur von besonderer Reinheit und Verbindung zum Transzendenten ist. Das Gedicht lädt den Leser ein, in eine Welt einzutauchen, in der die Grenzen zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen verschwimmen, und in der Elis als eine Art Vermittler zwischen diesen Sphären erscheint.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Blaue Tauben trinken nachts den eisigen Schweiß, Der von Elis' kristallener Stirne rinnt.
- Personifikation
- Immer tönt an schwarzen Mauern Gottes einsamer Wind.
- Symbolik
- Zeichen und Sterne versinken leise im Abendweiher.
- Vergleich
- Ein guter Hirt führt seine Herde am Waldsaum hin.