Elegie
1849Wandelnd im Schimmer des Mondes, und tief in Gedanken versunken, Führt mich der ländliche Pfad über das schweigende Feld, Und in der Stille des Abends, die mich balsamisch umsäuselt, Nahet dem sehnenden Geist mancher Erinnerung Bild.
Wie voll Schwermuth und Ernst auf nächtliche Stille des Grabes Luna den trauernden Blick senkt von der ewigen Bahn, Der die Gefilde erhellt mit bleichem Glanze, so blicket Auf vergangene Zeit trübe umwölket mein Sinn.
Bilder der Freundschaft und Liebe, und all′ ihr lächelnden Träume, Die ihr mein Leben geschmückt, eilet, und kehret zurück. Stillet mit freundlichem Trug die blutenden Wunden der Sehnsucht, Da mir die wirkliche Welt meine erträumte versagt.
Ja, ihr erscheinet mir nun - doch nicht mehr im rosigen Schimmer Jugendlich glühender Lust, die aus der Hoffnung entsprang. Nächtlich, und trübe verhüllt in melancholische Schleier Sinnender Wehmuth, erscheint ihr meinem thränenden Blick.
Seyd mir dennoch willkommen, auch im Geleite der Trauer, Die an den Wechsel der Zeit mahnet mit schweigendem Ernst. Ach es lindert so sanft den zehrenden Schmerz des Entbehrens Der Erinnerung Glück, ist′s auch mit Wermuth vermischt.
Unbefangene Tage der frühen, blühenden Jugend, Als mein fröhliches Herz lauter zu klopfen begann! Als die Erstlingsgefühle der Liebe sich regten im Busen, Als mir die Freundschaft zuerst reichte den duftenden Kranz!
Könnt′ ich Eurer vergessen - vergessen der Stunden voll Wonne, Denen die Hoffnung einst lieh ihr verwelkendes Grün? O dann hätte ich nie Euch zu durchleben verdienet, Und der Vergangenheit Reiz wäre ein Schatten mir nur.
Treu in liebender Brust bewahret hab′ ich Dein Bildniss, Unvergessliche Zeit, die Du so eilig entflohst. Oft erscheinst Du mir heiter - doch öfter in Nebel und Wolken, Aber wie Du auch nahst - freundlich empfang′ ich Dich stets.
Tief in dämmernder Nacht der undurchdringlichen Zukunft, Bleibt die Erinnerung mir ewig ein leuchtender Stern. Wend′ ich mein Auge zu ihm, so strahlt er mir Frieden entgegen, Und das Dunkel umher hellet sein sonniger Glanz.
Darum will ich die Blumen, die nächsten, welche mir blühen, Sind sie auch sparsam verstreut, dennoch mit sorgender Hand Sammeln, und winden zum Kranz, den ich, o holde Erinn′rung, Opfre mit Thränen des Danks Deinem geweihten Altar.
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Interpretation
Das Gedicht "Elegie" von Charlotte von Ahlefeld beschreibt eine nächtliche Spaziergangsszene, bei der der Sprecher von melancholischen Erinnerungen überwältigt wird. Die Stimmung ist von Trauer und Sehnsucht geprägt, die durch die Mondnacht und die Stille der Landschaft verstärkt werden. Der Sprecher reflektiert über vergangene Zeiten voller Freundschaft und Liebe, die nun wie Bilder in seinem Geist auftauchen. Diese Erinnerungen erscheinen ihm nicht mehr in jugendlichem Glanz, sondern in einem trüben, melancholischen Schleier. Dennoch empfindet er eine gewisse Erleichterung durch diese Erinnerungen, auch wenn sie mit Wehmut vermischt sind. Der Sprecher wendet sich direkt an die vergangene Zeit, dankt ihr für die schönen Momente und versichert, dass er diese Erinnerungen bewahrt hat. Er vergleicht die Erinnerung mit einem leuchtenden Stern in der dunklen Zukunft, der ihm Frieden und Licht spendet. Am Ende beschließt der Sprecher, auch die noch verbleibenden Blumen des Lebens zu sammeln und einen Kranz aus Dankbarkeit für die Erinnerung zu flechten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- metapher
- geweihten Altar
- personifikation
- die mich balsamisch umsäuselt
- vergleich
- Wie voll Schwermuth und Ernst auf nächtliche Stille des Grabes