Elegie im Kriege

Erich Kurt Mühsam

1914

Lieder sing ich, seit ich denke, weil mein Herz empfindsam ist und den Spender der Geschenke im Genießen nicht vergißt. Doch sie haben mich vergessen, denen ich mein Lied beschert. Niemand lebt auf Erden, dessen Seele meines Sangs noch wert. Heldentaten zu vollbringen ist kein Lob in dieser Zeit: Disziplin heißt sie vollbringen, Angst gebiert die Tapferkeit. Liebe, die das Herz beseligt, zupft an keiner Leier mehr. Haß ersetzt sie. Haß befehligt. Haß ist Heil und Pflicht und Wehr. Niemals kehrt die Freude wieder und das Licht, das uns umgab. Still versinken auch die Lieder in der Menschheit Massengrab.

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Interpretation

Das Gedicht "Elegie im Kriege" von Erich Kurt Mühsam ist ein eindringliches Plädoyer gegen die Entmenschlichung und den Verlust der Menschlichkeit im Krieg. Mühsam beschreibt, wie die Liebe und Freude, die einst sein Herz erfüllten und seine Lieder inspirierten, durch Hass und Angst ersetzt wurden. Die Gesellschaft hat seine Lieder vergessen und die Helden seiner Zeit werden nicht mehr für ihre Taten geehrt, sondern als disziplinierte Soldaten betrachtet. Die Tapferkeit wird nicht mehr als edle Eigenschaft gesehen, sondern als Produkt der Angst. In diesem Gedicht vermittelt Mühsam eine tiefe Traurigkeit und Resignation über den Zustand der Welt. Er beschreibt, wie die Liebe, die einst sein Herz erfüllte und seine Lieder inspirierte, durch Hass ersetzt wurde. Hass wird als heilig, als Pflicht und als Schutz angesehen. Die Freude und das Licht, das einst die Menschheit umgab, sind verschwunden. Mühsam sieht eine düstere Zukunft, in der auch die Lieder in dem Massengrab der Menschheit versinken werden. Die "Elegie im Kriege" ist ein eindringliches Plädoyer gegen den Krieg und seine verheerenden Auswirkungen auf die menschliche Seele. Mühsam zeigt, wie der Krieg die Menschlichkeit zerstört und durch Hass und Angst ersetzt. Er beklagt den Verlust der Liebe, der Freude und der Lieder, die einst sein Herz erfüllten. Das Gedicht endet mit einer düsteren Vision einer Zukunft, in der selbst die Lieder in dem Massengrab der Menschheit versinken werden.

Schlüsselwörter

haß lieder herz vollbringen sing seit denke empfindsam

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Niemand lebt auf Erden, dessen Seele meines Sangs noch wert
Kontrast
Liebe, die das Herz beseligt, zupft an keiner Leier mehr. Haß ersetzt sie.
Metapher
Still versinken auch die Lieder in der Menschheit Massengrab
Personifikation
Angst gebiert die Tapferkeit
Symbolik
Haß ist Heil und Pflicht und Wehr