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Elegie im Kriege

Von

Lieder sing ich, seit ich denke,
weil mein Herz empfindsam ist
und den Spender der Geschenke
im Genießen nicht vergißt.
Doch sie haben mich vergessen,
denen ich mein Lied beschert.
Niemand lebt auf Erden, dessen
Seele meines Sangs noch wert.
Heldentaten zu vollbringen
ist kein Lob in dieser Zeit:
Disziplin heißt sie vollbringen,
Angst gebiert die Tapferkeit.
Liebe, die das Herz beseligt,
zupft an keiner Leier mehr.
Haß ersetzt sie. Haß befehligt.
Haß ist Heil und Pflicht und Wehr.
Niemals kehrt die Freude wieder
und das Licht, das uns umgab.
Still versinken auch die Lieder
in der Menschheit Massengrab.

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Gedicht: Elegie im Kriege von Erich Kurt Mühsam

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Elegie im Kriege“ von Erich Mühsam ist eine eindringliche Klage über den Verlust von Menschlichkeit und Lebensfreude im Angesicht des Krieges. Es zeichnet ein düsteres Bild einer Welt, in der die Werte, die dem lyrischen Ich einst wichtig waren – Liebe, Freude, Gesang – von Hass, Angst und militärischer Disziplin verdrängt wurden. Der Titel „Elegie“ deutet bereits auf einen Klageton hin, und dieser zieht sich durch das gesamte Gedicht.

In den ersten Strophen wird die Beziehung des lyrischen Ichs zur Welt vor dem Krieg angedeutet. Das Singen von Liedern, ein Ausdruck von Empfindsamkeit und Dankbarkeit, war einst ein zentraler Bestandteil seines Lebens. Doch nun, so die Zeilen, hat die Welt, der er seine Lieder widmete, ihn vergessen. Diejenigen, denen er sein Herz schenkte, scheinen kein Ohr mehr für seine Melodien zu haben. Das Gedicht evoziert damit einen Zustand der Isolation und Entfremdung, in dem die gewohnten Bezugspunkte und Werte des lyrischen Ichs keinen Platz mehr finden.

Die mittlere Strophe wendet sich der Beschreibung der im Krieg vorherrschenden Moral zu. „Heldentaten“ finden keine Anerkennung mehr, stattdessen dominieren „Disziplin“ und „Angst“. Die Tapferkeit, die in dieser Zeit gezeigt wird, entspringt nicht mehr edlen Motiven, sondern der Angst. Die Liebe, ein Gefühl, das einst das Herz beseligte, hat ihren Platz verlassen, und Hass, der das Gegenteil von Liebe ist, hat die Oberhand gewonnen. Dieser Kontrast unterstreicht die brutale Zerstörung der menschlichen Seele durch den Krieg.

Der abschließende Teil des Gedichts verstärkt den Eindruck des Verlustes und der Hoffnungslosigkeit. Die Freude und das Licht, die einst das Leben des lyrischen Ichs ausmachten, werden als für immer verloren betrachtet. Die Lieder, die Ausdruck des Schönen und Guten waren, versinken im „Massengrab“ der Menschheit. Diese Metapher ist ein starkes Bild für die allgemeine Zerstörung und den Verlust, die durch den Krieg verursacht werden. Das Gedicht ist somit ein erschütterndes Zeugnis der Erfahrung des Krieges und ein Appell gegen die Zerstörung menschlicher Werte.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.