Eldorado

Joseph von Eichendorff

1857

Es ist von Klang und Düften Ein wunderbarer Ort, Umrankt von stillen Klüften, Wir alle spielten dort.

Wir alle sind verirret, Seitdem so weit hinaus Unkraut die Welt verwirret, Findt keiner mehr nach Haus.

Doch manchmal tauchts aus Träumen, Als läg es weit im Meer, Und früh noch in den Bäumen Rauschts wie ein Grüßen her.

Ich hört den Gruß verfliegen, Ich folgt ihm über Land, Und hatte mich verstiegen Auf hoher Felsenswand.

Mein Herz ward mir so munter, Weit hinten alle Not, Als ginge jenseits unter Die Welt in Morgenrot.

Der Wind spielt′ in den Locken, Da blitzt′ es drunten weit, Und ich erkannt erschrocken Die alte Einsamkeit.

Nun jeden Morgenschimmer Steig ich ins Blütenmeer, Bis ich Glückselger nimmer Von dorten wiederkehr.

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Illustration zu Eldorado

Interpretation

Das Gedicht "Eldorado" von Joseph von Eichendorff beschreibt die Sehnsucht nach einer verlorenen, paradiesischen Kindheitswelt. Die erste Strophe schildert einen wunderbaren Ort voller Klang und Duft, umrankt von stillen Klüften, an dem alle spielten. Die zweite Strophe thematisiert das Gefühl des Verlorenseins und der Entwurzelung, seit die Welt von Unkraut verwirrt ist und niemand mehr den Weg nach Hause findet. Die dritte und vierte Strophe thematisieren das gelegentliche Wiederauftauchen dieser verlorenen Welt in Träumen und im Rauschen der Bäume. Der lyrische Ich folgt diesem Ruf und gelangt auf eine hohe Felsenswand. Dort wird sein Herz munter und er empfindet eine neue Leichtigkeit, als ob die Welt im Morgenrot unterginge. Doch in der fünften Strophe erkennt er erschrocken die alte Einsamkeit wieder, die ihm begegnet. Die letzte Strophe beschreibt den Entschluss des lyrischen Ichs, jeden Morgen ins Blütenmeer zu steigen, bis er von dort niemals mehr zurückkehrt. Damit wird das Streben nach dem verlorenen Paradies und die Bereitschaft, sich auf diese Suche zu begeben, auch um den Preis des Verlustes der gewohnten Welt, thematisiert. Das Gedicht vermittelt auf eindringliche Weise die tiefe Sehnsucht nach einer verloren geglaubten Idylle und den Wunsch, diese zumindest in der Imagination wiederzufinden.

Schlüsselwörter

weit alle welt klang düften wunderbarer ort umrankt

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Stilmittel

Alliteration
Weit hinten alle Not
Bildsprache
Blütenmeer
Kontrast
Glückselger nimmer / Von dorten wiederkehr
Metapher
Es ist von Klang und Düften / Ein wunderbarer Ort
Personifikation
Unkraut die Welt verwirret
Symbolik
Morgenrot