Eisenbahn
1922Auf kühlen Eisen Will ich verreisen, Auf einer Bank, die rattern tut. Schischischischischen. Der Dampf dazwischen, Das tut den kranken Nerven gut.
Die Passagiere Sind Wirbeltiere Und haben weiter keinen Zweck. Die meisten scheinen Das nicht zu meinen, Doch diese wissen einen Dreck.
Am meisten vorne Auf dem Balkorne, Da steht ein Mann, der führen kann. Diktatoren Sind unverfroren Und geben meist gewaltig an.
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Interpretation
Das Gedicht "Eisenbahn" von Kurt Schwitters beschreibt eine Reise mit der Eisenbahn, die als Flucht aus dem Alltag und als Therapie für gestresste Nerven dient. Die rhythmischen Klänge und das Rasseln der Schienen schaffen eine beruhigende Atmosphäre, die den Fahrgästen guttut. Die Passagiere werden als "Wirbeltiere" bezeichnet, was ihre Bedeutungslosigkeit und ihren Mangel an Zweck unterstreicht. Viele scheinen dies nicht zu erkennen, doch der Sprecher weiß, dass sie nichts von ihrem wahren Wert wissen. Das Gedicht kritisiert auch die Machtstruktur innerhalb der Gesellschaft, symbolisiert durch den Mann an der Spitze des Zuges, der als "Diktatoren" bezeichnet wird. Diese Personen sind unverfroren und geben sich gerne wichtig, indem sie ihre Macht zur Schau stellen. Schwitters verwendet hier eine metaphorische Sprache, um die sozialen und politischen Verhältnisse seiner Zeit anzusprechen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine ambivalente Stimmung, die zwischen der Sehnsucht nach Flucht und der Kritik an der Gesellschaft schwankt. Die rhythmische Struktur und die Wiederholungen der Klänge schaffen eine hypnotische Wirkung, die den Leser in die Welt der Eisenbahn entführt und gleichzeitig zum Nachdenken über die menschliche Existenz und die Machtverhältnisse anregt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Auf kühlen Eisen, Die Passagiere, Sind Wirbeltiere
- Hyperbel
- Und geben meist gewaltig an
- Ironie
- Und haben weiter keinen Zweck
- Kontrast
- Die meisten scheinen / Das nicht zu meinen, / Doch diese wissen einen Dreck
- Metapher
- Die Passagiere / Sind Wirbeltiere
- Onomatopoesie
- Schischischischischen
- Personifikation
- Eine Bank, die rattern tut