Einschränkung

Johann Wolfgang von Goethe

1749

Ich weiß nicht, was mir hier gefällt, In dieser engen, kleinen Welt Mit holdem Zauberband mich hält? Vergeß′ ich doch, vergeß′ ich gern, Wie seltsam mich das Schicksal leitet; Und ach, ich fühle, nah und fern Ist mir noch manches zubereitet. O wäre doch das rechte Maß getroffen! Was bleibt mir nun, als, eingehüllt, Von holder Lebenskraft erfüllt, In stiller Gegenwart die Zukunft zu erhoffen!

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Illustration zu Einschränkung

Interpretation

Das Gedicht "Einschränkung" von Johann Wolfgang von Goethe beschäftigt sich mit der Ambivalenz des menschlichen Daseins zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Akzeptanz von Begrenzungen. Der Sprecher fühlt sich von einer "engen, kleinen Welt" angezogen, die ihn mit einem "holden Zauberband" festhält. Diese Welt scheint ihm Sicherheit und Geborgenheit zu bieten, auch wenn er sich ihrer Enge bewusst ist. Der zweite Teil des Gedichts offenbart eine gewisse Resignation und Resignation gegenüber dem Schicksal. Der Sprecher gibt zu, dass er die seltsame Art, wie das Schicksal sein Leben lenkt, gerne vergisst. Doch gleichzeitig spürt er, dass ihm noch viele Dinge bevorstehen, sowohl in der Nähe als auch in der Ferne. Dies deutet auf eine gewisse Unruhe und das Bewusstsein hin, dass das Leben noch nicht abgeschlossen ist. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Sprecher den Wunsch nach einem "rechten Maß" aus, das jedoch nicht erreicht wurde. Er scheint sich mit seiner Situation abgefunden zu haben und sucht Trost in der "stillen Gegenwart". Die Hoffnung auf die Zukunft wird als einzige Möglichkeit gesehen, mit der Einschränkung umzugehen. Das Gedicht endet mit einem Appell an die "holde Lebenskraft", die den Sprecher erfüllt und ihm die Kraft gibt, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Schlüsselwörter

vergeß weiß gefällt engen kleinen welt holdem zauberband

Wortwolke

Wortwolke zu Einschränkung

Stilmittel

Ausruf
O wäre doch das rechte Maß getroffen!
Kontrast
Und ach, ich fühle, nah und fern
Metapher
Mit holdem Zauberband mich hält
Parallelismus
Vergeß′ ich doch, vergeß′ ich gern
Personifikation
Von holder Lebenskraft erfüllt
Rhetorische Frage
Ich weiß nicht, was mir hier gefällt
Wiederholung
Vergeß′ ich doch, vergeß′ ich gern