Einsamkeit
1850Wild verwachsne dunkle Fichten, Leise klagt die Quelle fort; Herz, das ist der rechte Ort Für dein schmerzliches Verzichten!
Grauer Vogel in den Zweigen! Einsam deine Klage singt, Und auf deine Frage bringt Antwort nicht des Waldes Schweigen.
Wenn′s auch immer schweigen bliebe, Klage, klage fort; es weht, Der dich höret und versteht, Stille hier der Geist der Liebe.
Nicht verloren hier im Moose, Herz, dein heimlich Weinen geht, Deine Liebe Gott versteht, Deine tiefe, hoffnungslose!
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Interpretation
Das Gedicht "Einsamkeit" von Nikolaus Lenau beschreibt einen Ort der Trauer und des Rückzugs in der Natur. Der Sprecher findet Trost in der Wildnis, wo dunkle Fichten und eine leise murmelnde Quelle eine passende Kulisse für sein schmerzhaftes Verzichten bieten. Die Einsamkeit wird hier nicht als etwas Negatives dargestellt, sondern als ein Ort, an dem man sich selbst und seinen Gefühlen begegnen kann. Der graue Vogel in den Zweigen singt seine einsame Klage, ohne eine Antwort vom Schweigen des Waldes zu erhalten. Doch selbst wenn das Schweigen anhält, ermutigt der Sprecher zur fortwährenden Klage, denn es gibt einen Geist der Liebe, der zuhört und versteht. Die Natur wird zum Spiegel der inneren Gefühle und zum Ort des Verstehens, selbst wenn die äußere Welt schweigt. Am Ende des Gedichts wird deutlich, dass die Einsamkeit nicht verloren im Moos ist, sondern dass das Herz und sein heimliches Weinen hier verstanden werden. Die tiefe, hoffnungslose Liebe wird von Gott verstanden, was einen Hauch von Trost in der Einsamkeit vermittelt. Die Natur wird zum Ort der Transzendenz, an dem menschliche Gefühle und göttliches Verstehen aufeinandertreffen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Grauer Vogel in den Zweigen! Einsam deine Klage singt
- Metapher
- Nicht verloren hier im Moose
- Personifikation
- Herz, dein heimlich Weinen geht, Deine Liebe Gott versteht, Deine tiefe, hoffnungslose!
- Symbolik
- Wild verwachsne dunkle Fichten, Leise klagt die Quelle fort