Einsamkeit
1862Ich bin allein - wie oft mit kaltem Schauer Trifft mich dies Wort, mit namenloser Trauer - Ob sich auch laut das Leben um mich regt; Allein - mit meinem Streben und Bemühen, Allein - wenn eine andre Brust durchglühen Ich möcht, mit dem, was Meine schön bewegt.
O, so allein ist nicht des Südens Pflanze, Die einzeln steht in nordscher Blumen Kranze, Es grüßt sie hier wie dort der Sonne Kuss; So einsam nicht auf weitem Feld die Eiche, Das sehnsuchtsvolle Rauschen ihrer Zweige, Erwidert hold der Vögel lauter Gruß.
Wohl einmal auch, zwei kurze schöne Stunden, Hab ich der Seele süßen Hauch empfunden, Die geistverwandt mit mir die Schwinge regt; Doch sie entschwand in endlos weite Ferne, Ich schau ihm nach, dem glänzend schönen Sterne, Von milder Schwermut wundersam bewegt.
So flieht mein Leben einsam still von hinnen, Ein Quell, der bang im Sande muss verrinnen, Und nie in einen stolzen Strom sich gießt; Ein Efeu, der bestaubt am Boden lieget: Kein Baum, daran er sich vertrauend schmieget, Um den er liebend seine Arme schließt!
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Interpretation
Das Gedicht "Einsamkeit" von Luise Büchner beschreibt das Gefühl der inneren Isolation und des emotionalen Alleinseins, das die lyrische Ich-Erzählerin trotz äußerer Umstände erlebt. Die erste Strophe verdeutlicht, dass das Gefühl der Einsamkeit oft unerwartet und mit einem "kalten Schauer" auftritt, selbst wenn das Leben um einen herum aktiv und laut ist. Die Wiederholung des Wortes "allein" betont die tiefe emotionale Trennung von anderen, besonders in Bezug auf das eigene Streben und die eigenen innersten Wünsche, die nicht geteilt oder verstanden werden können. In der zweiten Strophe versucht die Erzählerin, ihre Einsamkeit mit der Natur zu vergleichen. Sie stellt fest, dass selbst eine Pflanze aus dem Süden, die in einem nordischen Blumenkranz allein steht, nicht so einsam ist wie sie, da sie von der Sonne geküsst wird. Ebenso ist eine Eiche auf einem weiten Feld nicht so einsam, da sie von Vögeln umgeben ist, die ihr mit ihrem Rauschen antworten. Diese Vergleiche verdeutlichen die tiefe menschliche Einsamkeit, die über die physische Isolation hinausgeht und in der Seele verwurzelt ist. Die dritte Strophe bringt einen Hoffnungsschimmer, als die Erzählerin von kurzen, schönen Momenten berichtet, in denen sie eine geistverwandte Seele spürte. Doch diese Verbindung ist flüchtig und verschwindet in die Ferne, wobei die Erzählerin ihr nachschaut wie einem glänzenden Stern, bewegt von milder Schwermut. Dies verdeutlicht die Vergänglichkeit solcher Verbindungen und die damit verbundene Melancholie. In der letzten Strophe verwendet die Erzählerin Metaphern, um das einsame Leben zu beschreiben. Das Leben wird mit einem Quell verglichen, der ängstlich im Sand versickert, ohne zu einem stolzen Fluss zu werden. Ebenso wird das Leben mit einem Efeu verglichen, der am Boden liegt, ohne einen Baum, an den er sich schmiegen und mit dem er sich verbinden kann. Diese Bilder unterstreichen die Unfähigkeit, tiefe, erfüllende Verbindungen zu schließen, und das Gefühl, im Leben nicht voll zur Entfaltung zu kommen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- [Ich bin allein - wie oft mit kaltem Schauer Ob sich auch laut das Leben um mich regt Allein - mit meinem Streben und Bemühen Allein - wenn eine andre Brust durchglühen Ich möcht, mit dem, was Meine schön bewegt O, so allein ist nicht des Südens Pflanze Die einzeln steht in nordscher Blumen Kranze Es grüßt sie hier wie dort der Sonne Kuss So einsam nicht auf weitem Feld die Eiche Das sehnsuchtsvolle Rauschen ihrer Zweige Erwidert hold der Vögel lauter Gruß Wohl einmal auch, zwei kurze schöne Stunden Hab ich der Seele süßen Hauch empfunden Die geistverwandt mit mir die Schwinge regt Doch sie entschwand in endlos weite Ferne Ich schau ihm nach, dem glänzend schönen Sterne Von milder Schwermut wundersam bewegt So flieht mein Leben einsam still von hinnen Ein Quell, der bang im Sande muss verrinnen Und nie in einen stolzen Strom sich gießt Ein Efeu, der bestaubt am Boden lieget Kein Baum, daran er sich vertrauend schmieget Um den er liebend seine Arme schließt]
- Personifikation
- [Die einzeln steht in nordscher Blumen Kranze Es grüßt sie hier wie dort der Sonne Kuss Das sehnsuchtsvolle Rauschen ihrer Zweige Erwidert hold der Vögel lauter Gruß Die geistverwandt mit mir die Schwinge regt Ich schau ihm nach, dem glänzend schönen Sterne Von milder Schwermut wundersam bewegt So flieht mein Leben einsam still von hinnen Ein Quell, der bang im Sande muss verrinnen Und nie in einen stolzen Strom sich gießt Ein Efeu, der bestaubt am Boden lieget Kein Baum, daran er sich vertrauend schmieget Um den er liebend seine Arme schließt]
- Symbolik
- [des Südens Pflanze Sonne Kuss Sterne Quell Efeu]
- Vergleich
- [So einsam nicht auf weitem Feld die Eiche]