Einsamkeit

Hermann Lingg

1905

Wie lang schon trat niemand mehr ein In dieses stille Zimmer; Nur hier das bischen Sonnenschein Glänzt heute noch wie immer.

Und alles ringsum aufgeräumt Und wie ich′s sonst gefunden; Die Wanduhr nur steht still und träumt Von längst vergangnen Stunden.

Wie still es ist! Nur dann und wann Der Sommerfliege Summen. Hier saß ich oft allein und sann In innerem Verstummen.

Entmutigt sein, wenn alles hofft, Wenn alles lebt, gebunden – Ich kenne sie, ich hab′ sie oft Gefühlt, die bittern Stunden!

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Illustration zu Einsamkeit

Interpretation

Das Gedicht "Einsamkeit" von Hermann Lingg thematisiert die tiefe Einsamkeit und die damit verbundenen Gefühle des Verlusts und der Entmutigung. Der Sprecher beschreibt ein stilles Zimmer, in das seit langer Zeit niemand mehr getreten ist, was die Abgeschiedenheit und die vergangene Zeit unterstreicht. Die einzige Konstante ist das bisschen Sonnenschein, das wie immer durch das Fenster fällt, während die Wanduhr stehen geblieben ist und von vergangenen Stunden träumt. Diese Bilder vermitteln eine Atmosphäre der Stagnation und des Verfalls. Die Stille im Zimmer wird nur durch das Summen einer Sommerfliege unterbrochen, was die tiefe Einsamkeit des Sprechers noch verstärkt. Der Sprecher erinnert sich daran, wie er oft allein in diesem Zimmer saß und in innerem Verstummen sann. Diese Erinnerungen verdeutlichen die wiederkehrende Natur seiner Einsamkeit und seine Gewohnheit, in sich selbst zu versinken. Die Einsamkeit wird als ein Zustand beschrieben, der den Sprecher entmutigt, besonders wenn alles andere hofft und lebt. Der Sprecher gesteht, dass er diese bitteren Stunden der Einsamkeit kennt und oft gefühlt hat. Diese Zeilen lassen darauf schließen, dass die Einsamkeit ein vertrauter Begleiter des Sprechers ist, der ihn immer wieder heimsucht. Die Wiederholung des Wortes "oft" unterstreicht die Häufigkeit und die Intensität dieser Gefühle. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Melancholie und die schmerzhafte Erkenntnis, dass Einsamkeit ein unvermeidlicher Teil des Lebens des Sprechers ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Nur hier das bischen Sonnenschein Glänzt heute noch wie immer.
Kontrast
Entmutigt sein, wenn alles hofft, Wenn alles lebt, gebunden
Metapher
Ich kenne sie, ich hab′ sie oft Gefühlt, die bittern Stunden!
Personifikation
Die Wanduhr nur steht still und träumt von längst vergangnen Stunden.