Einsamer Baum
1884Zersplissen ist mein Haupt Von schwarzem Wolkenwetter; Herbstwind und Regen raubt Die abgestorbenen Blätter: So rag′ ich ganz allein Aus ödem Heidekraut Und träume von dem Hain, Der weit verloren blaut.
Oft, wenn mit grimmer Wucht Mich packt ein nächtlich Brausen, Raff ich mit jähem Grausen Zusammen mich zur Flucht; Doch halten zähe Schollen Mich an den Wurzeln fest.- Da steh′ ich nun mit Grollen, Wild schüttelnd mein Geäst…
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Interpretation
Das Gedicht "Einsamer Baum" von Bruno Wille beschreibt einen Baum, der allein in der Heide steht und sich einsam und verloren fühlt. Der Baum wird von den Elementen gepeinigt, sein Haupt ist von schwarzem Wolkenwetter zersplittert und der Herbstwind raubt ihm die abgestorbenen Blätter. Er träumt von einem fernen Hain, der in der Ferne blaut. In der zweiten Strophe beschreibt der Baum, wie er oft von nächtlichen Stürmen gepeinigt wird und sich zusammenreißt, um zu fliehen. Doch die zähen Wurzeln halten ihn fest und er muss bleiben, wo er ist. Er steht mit Groll da und schüttelt wild sein Geäst. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl von Einsamkeit, Verlassenheit und Hilflosigkeit. Der Baum ist den Kräften der Natur ausgeliefert und kann sich nicht wehren. Er ist gefangen in seiner Situation und sehnt sich nach einem besseren Ort, an dem er nicht allein ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- So rag' ich ganz allein aus ödem Heidekraut
- Metapher
- Da steh' ich nun mit Grollen, wild schüttelnd mein Geäst
- Personifikation
- Doch halten zähe Schollen mich an den Wurzeln fest