Eins und alles

Johann Wolfgang von Goethe

1749

Im Grenzenlosen sich zu finden, Wird gern der Einzelne verschwinden, Da löst sich aller Überdruss; Statt heißem Wünschen, wildem Wollen, Statt läst′gem Fordern, strengem Sollen, Sich aufzugeben ist Genuss. Weltseele, komm, uns zu durchdringen! Dann mit dem Weltgeist Selbst zu Ringen wird unsrer Kräfte Hochberuf. Teilnehmend führen gute Geister, Gelinde leitend, höchste Meister, Zu dem, der alles schafft und schuf.

Und umzuschaffen das Geschaffne, Damit sich′s nicht zum Starren Waffne, wirkt ewiges lebendiges Tun. Und was nicht war, nun will es werden, Zu reinen Sonnen, farbigen Erden, In keinem Falle darf es ruhn. Es soll sich regen, schaffend handeln, Erst sich gestalten, dann verwandeln; Nur scheinbar steht′s Momente still. Das Ewige regt sich fort in allen, Denn es muss in Nichts zerfallen, Wenn es im Sein beharren will.

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Illustration zu Eins und alles

Interpretation

Das Gedicht "Eins und alles" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der Sehnsucht des Einzelnen, sich im Unendlichen zu verlieren und dabei alle Unzufriedenheit aufzulösen. Es betont die Freude am Aufgeben von Wünschen, Forderungen und Pflichten zugunsten eines inneren Genusses. Die Weltseele soll den Menschen durchdringen, um mit dem Weltgeist zu ringen, was als höchste Berufung der Kräfte angesehen wird. Gute Geister und höchste Meister führen den Menschen zu dem Schöpfer aller Dinge. Das Gedicht beschreibt auch den ewigen Schaffensprozess, bei dem das Geschaffene ständig umgeschaffen wird, um nicht erstarrt zu sein. Es betont die Notwendigkeit des Wandels und der Verwandlung, da nichts stillstehen darf. Alles soll sich regen und schaffend handeln, um sich zu gestalten und dann zu verwandeln. Obwohl es scheint, als würden Momente stillstehen, regt sich das Ewige in allem fort, da es im Sein verharren würde, wenn es nicht in Nichts zerfallen würde. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der ständigen Veränderung und des Fließens des Lebens. Es ermutigt den Einzelnen, sich dem Unendlichen hinzugeben und sich im Schaffensprozess zu verlieren, um wahre Erfüllung zu finden.

Schlüsselwörter

statt will grenzenlosen finden gern einzelne verschwinden löst

Wortwolke

Wortwolke zu Eins und alles

Stilmittel

Alliteration
Teilnehmend führen gute Geister
Hyperbel
Mit dem Weltgeist Selbst zu Ringen wird unsrer Kräfte Hochberuf
Kontrast
Es soll sich regen, schaffend handeln, Erst sich gestalten, dann verwandeln
Metapher
Im Grenzenlosen sich zu finden
Oxymoron
Nur scheinbar steht′s Momente still
Paradox
Denn es muss in Nichts zerfallen, Wenn es im Sein beharren will
Parallelismus
Statt heißem Wünschen, wildem Wollen, Statt läst′gem Fordern, strengem Sollen
Personifikation
Weltseele, komm, uns zu durchdringen!
Symbolik
Zu reinen Sonnen, farbigen Erden