Eingelegte Ruder
1825Meine eingelegten Ruder triefen, Tropfen fallen langsam in die Tiefen.
Nichts, das mich verdross! Nichts, das mich freute! Niederrinnt ein schmerzenloses Heute!
Unter mir - ach, aus dem Licht verschwunden - Träumen schon die schönern meiner Stunden.
Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern: Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?
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Interpretation
Das Gedicht "Eingelegte Ruder" von Conrad Ferdinand Meyer handelt von einem ruhigen, nachdenklichen Moment auf dem Wasser. Der Sprecher hat seine Ruder eingelegt und lässt das Boot treiben. Es fallen Tropfen ins Wasser, die langsam in die Tiefe sinken. Der Sprecher ist weder erfreut noch unzufrieden, er befindet sich in einem Zustand der Gleichgültigkeit, einem "schmerzenlosen Heute". In der zweiten Strophe blickt der Sprecher nach unten in die Tiefe. Dort sieht er die schöneren Momente seines Lebens, die bereits vergangen sind und aus dem Licht der Gegenwart verschwunden sind. Diese vergangenen Momente werden als "Träume" bezeichnet, was ihre unwirkliche, idealisierte Natur betont. Aus der Tiefe ruft die Vergangenheit, symbolisiert durch das "Gestern", dem Sprecher zu und fragt, ob es im Licht der Gegenwart noch andere gleichwertige Momente gibt, bezeichnet als "Schwestern". Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung. Der Sprecher ist in der Gegenwart gefangen, umgeben von einer indifferenten Leere, während die Vergangenheit mit ihren schöneren Momenten in der Tiefe ruht. Es entsteht der Eindruck, dass der Sprecher die Vergangenheit idealisiert und die Gegenwart als trist und ereignislos empfindet. Das Gedicht reflektiert über die Vergänglichkeit der Zeit und die Sehnsucht nach vergangenen Glücksmomenten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Träumen schon die schönern meiner Stunden.
- Enjambement
- Meine eingelegten Ruder triefen, Tropfen fallen langsam in die Tiefen.
- Metapher
- Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern
- Parallelismus
- Nichts, das mich verdross! Nichts, das mich freute!
- Personifikation
- Niederrinnt ein schmerzenloses Heute!
- Rhetorische Frage
- Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?