Einer Jugendfreundin

Luise Büchner

1862

Die Blume, die aus ihrem stillen Thale Verpflanzt wird in ein fernes, fremdes Land, Prangt dort wie hier in holder Anmuth Fülle, Ist sie gepflegt von zarter Liebe Hand; Und siehst an ihrem Kelch du manchmal hangen Ein Tröpflein, drauf die Morgensonne scheint, So denk′ nicht, daß es Gramesthränen seien, Die trübe sie in stiller Nacht geweint.

Wohl sind es Thränen, aber die nicht schmerzen, Erinn′rung hat sie leise wach geküßt: Wenn sanft ein Ton aus heimathlichen Fernen Verwandten Klangs der Blume Seele grüßt, Dann rinnt die Thräne, doch nicht herb und bitter, Ein Opfer, der vergangnen Zeit geweiht, Dann säuselt durch die Seele linde Wehmuth Und sanfte Ruhe folgt dem süßen Leid.

So träumst gewiß auch du, wenn du geschieden, Noch oft von deinem deutschen Vaterland, Von deinen Kinder-, deinen Jugendtagen - Bis dich verpflanzte zarter Liebe Hand Und wie ich hoffe, daß dem Angedenken Es manchmal heiß von deiner Wange quillt, So soll dich stets mein treuster Wunsch geleiten, Daß andres Weinen nie dein Auge füllt!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Einer Jugendfreundin

Interpretation

Das Gedicht "Einer Jugendfreundin" von Luise Büchner ist eine poetische Metapher, die die Erfahrung einer Freundin, die in ein fernes Land verpflanzt wurde, mit der eines Blumen vergleicht. Die Blume, die aus ihrem stillen Tal in ein fremdes Land verpflanzt wird, blüht dort ebenso wie hier, wenn sie von zarter Liebe gepflegt wird. Die Tränen, die manchmal an ihrem Kelch hängen, sind keine Tränen des Kummers, sondern Erinnerungen, die sanft geweckt wurden. Sie sind ein Opfer, das der vergangenen Zeit geweiht ist, und sie bringen eine sanfte Wehmut und Ruhe. Die Dichterin vergleicht diese Erfahrung mit der ihrer Freundin, die ebenfalls in ein fernes Land verpflanzt wurde. Sie hofft, dass ihre Freundin oft an ihr deutsches Vaterland und ihre Kindheit und Jugend denkt. Die Tränen, die ihr über die Wange laufen, sind ein Zeichen dieser Erinnerungen. Die Dichterin wünscht sich, dass ihre Freundin immer von ihrem treusten Wunsch begleitet wird und dass ihre Augen nie von anderen Tränen gefüllt werden. Das Gedicht ist eine Ode an die Freundschaft und die Erinnerung. Es zeigt die tiefe Verbundenheit der Dichterin mit ihrer Freundin und ihre Hoffnung, dass diese trotz der räumlichen Distanz immer an ihre Heimat und ihre gemeinsame Vergangenheit denkt. Die Metapher der Blume verleiht dem Gedicht eine zusätzliche Ebene der Schönheit und Tiefe.

Schlüsselwörter

blume zarter liebe hand manchmal seele stillen thale

Wortwolke

Wortwolke zu Einer Jugendfreundin

Stilmittel

Alliteration
Dann rinnt die Thräne, doch nicht herb und bitter
Hyperbel
Daß andres Weinen nie dein Auge füllt
Metapher
Die Blume, die aus ihrem stillen Thale / Verpflanzt wird in ein fernes, fremdes Land
Personifikation
Erinn'rung hat sie leise wach geküßt
Vergleich
Wie ich hoffe, daß dem Angedenken / Es manchmal heiß von deiner Wange quillt