Einer Braut am Polterabend
1864Ich bringe dir ein leeres weißes Buch, die Blätter drin noch ohne Bild und Spruch.
Sie sollen einst, wenn sie beschrieben sind, dir bringen ein Erinnern hold und lind;
an liebe Worte, die man zu dir sprach, an treue Augen, die dir blickten nach -
Drauf leg′ ich dir von dunklem Myrtenreis den grünen Kranz, der aller Kränze Preis.
Nimm ihn getrost! Denn muss ich auch gestehn, er wird wie alles Laub dereinst vergehn,
so weiß ich doch, wenn Tag um Tag verschwand, hältst du den Zweig mit Früchten in der Hand.
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Interpretation
Das Gedicht "Einer Braut am Polterabend" von Theodor Storm ist eine symbolische Geste an eine Braut am Vorabend ihrer Hochzeit. Der Sprecher überreicht ihr ein leeres weißes Buch und einen Myrtenkranz, beides voller tieferer Bedeutung. Das Buch steht für die noch unbeschriebene Zukunft des Paares, die mit Erinnerungen und Erlebnissen gefüllt werden soll. Die leeren Seiten symbolisieren die Möglichkeiten und die Offenheit des Lebens, das vor der Braut liegt. Der Myrtenkranz, ein traditionelles Symbol für Liebe und Ehe, wird als der wertvollste aller Kränze beschrieben. Er steht für die Schönheit und den Reichtum der Liebe, die die Braut erwartet. Der Sprecher erkennt an, dass auch der Kranz, wie alles Irdische, vergänglich sein wird, doch er hofft, dass die Braut in der Zukunft die Früchte ihrer Liebe in den Händen halten wird. Dies deutet auf eine tiefe Verbundenheit und die Hoffnung auf eine fruchtbare und erfüllte Ehe hin. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Hoffnung und des Optimismus. Es würdigt die Vergänglichkeit des Lebens, betont aber gleichzeitig die Bedeutung von Liebe und Erinnerungen. Der Sprecher wünscht der Braut eine Zukunft voller schöner Erinnerungen und einer beständigen Liebe, die über die Zeit hinaus Bestand haben wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- der aller Kränze Preis
- Metapher
- den grünen Kranz, der aller Kränze Preis
- Personifikation
- wenn Tag um Tag verschwand
- Symbolik
- von dunklem Myrtenreis