Einen Sommer lang

Detlev von Liliencron

1844

Zwischen Roggenfeld und Hecken Führt ein schmaler Gang; Süßes, seliges Verstecken Einen Sommer lang.

Wenn wir uns von ferne sehen, Zögert sie den Schritt, Rupft ein Hälmchen sich im Gehen, Nimmt ein Blättchen mit.

Hat mit Ähren sich das Mieder Unschuldig geschmückt, Sich den Hut verlegen nieder In die Stirn gerückt.

Finster kommt sie langsam näher, Färbt sich rot wie Mohn; Doch ich bin feiner Späher, Kenn die Schelmin schon.

Noch ein Blick in Weg und Weite, Ruhig liegt die Welt, Und es hat an ihre Seite Mich der Sturm gesellt.

Zwischen Roggenfeld und Hecken Führt ein schmaler Gang; Süßes, seliges Verstecken Einen Sommer lang.

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Illustration zu Einen Sommer lang

Interpretation

Das Gedicht "Einen Sommer lang" von Detlev von Liliencron beschreibt eine heimliche und romantische Begegnung zwischen zwei Liebenden, die sich in einem schmalen Gang zwischen Roggenfeldern und Hecken treffen. Die Szenerie ist von einer idyllischen Sommerstimmung geprägt, die das Verstecken und die heimlichen Treffen zu einem süßen und seligen Erlebnis macht. Die Natur dient als Kulisse für die zarten Annäherungsversuche und die spielerische Flirtation zwischen den beiden Protagonisten. Die Frau im Gedicht zeigt eine Mischung aus Schüchternheit und koketter Zurückhaltung. Sie zögert, wenn sie den Mann von ferne sieht, und pflückt sich im Gehen ein Hälmchen oder nimmt ein Blättchen mit, was ihre Nervosität und ihre Beschäftigung mit dem bevorstehenden Treffen unterstreicht. Ihr unschuldig geschmücktes Mieder mit Ähren und der verlegene Hut auf der Stirn verstärken den Eindruck ihrer Unschuld und Verletzlichkeit. Doch der Mann durchschaut ihre Fassade und erkennt sie als "Schelmin", was auf eine gewisse Erfahrung und Vertrautheit mit ihrem Verhalten hindeutet. Das Gedicht endet mit der Rückkehr zur Anfangsszene, was die zyklische Natur der heimlichen Treffen und die Beständigkeit ihrer Liebe symbolisiert. Der schmale Gang zwischen Roggenfeld und Hecken wird zum wiederkehrenden Ort ihrer Begegnungen, an dem sie sich verstecken und ihre Zuneigung ausleben können. Die abschließende Wiederholung der ersten Strophe unterstreicht die zeitlose und wiederkehrende Natur ihrer heimlichen Sommerliebe.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Zwischen Roggenfeld und Hecken
Bildlichkeit
Zwischen Roggenfeld und Hecken führt ein schmaler Gang
Metapher
Und es hat an ihre Seite mich der Sturm gesellt
Personifikation
Nimmt ein Blättchen mit
Symbolik
Färbt sich rot wie Mohn
Wiederholung
Zwischen Roggenfeld und Hecken führt ein schmaler Gang; Süßes, seliges Verstecken einen Sommer lang