Einem jungen Freunde
1804Schwere Prüfungen musste der griechische Jüngling bestehen, Eh das eleusische Haus nun den Bewährten empfing; Bist du bereitet und reif, das Heiligtum zu betreten, Wo den verdächtigen Schatz Pallas Athene verwahrt? Weißt du schon, was deiner dort harrt? Wie teuer du kaufest? Dass du ein ungewiss Gut mit dem gewissen bezahlst? Fühlst du dir Stärke genug, der Kämpfe schwersten zu kämpfen, Wenn sich Verstand und Herz, Sinn und Gedanken entzwein? Mut genug, mit des Zweifels unsterblicher Hydra zu ringen, Und dem Feind in dir selbst männlich entgegen zu gehn? Mit des Auges Gesundheit, des Herzens heiliger Unschuld Zu entlarven den Trug, der dich als Wahrheit versucht? Fliehe, bist du des Führers im eigenen Busen nicht sicher, Fliehe den lockenden Rand, ehe der Schlund dich verschlingt! Manche gingen nach Licht und stürzten in tiefere Nacht nur; Sicher im Dämmerschein wandelt die Kindheit dahin.
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Interpretation
Das Gedicht "Einem jungen Freunde" von Friedrich von Schiller ist eine Warnung und Ermutigung zugleich, die an einen jungen Menschen gerichtet ist, der sich auf den Weg ins Erwachsenenleben und in die Welt der Erkenntnis begibt. Schiller verwendet das Bild des griechischen Jünglings, der schwere Prüfungen bestehen muss, um Zugang zum Heiligtum zu erhalten, als Metapher für den Prozess der Reifung und des Erwerbs von Weisheit. Der Sprecher fragt den jungen Freund, ob er bereit ist, die Herausforderungen zu meistern und den Preis zu zahlen, der für das Erreichen des begehrten Ziels fällig ist. Das Gedicht thematisiert die Schwierigkeiten und Versuchungen, denen der junge Mensch auf seinem Weg begegnen wird. Schiller spricht von inneren Kämpfen, bei denen Verstand und Herz, Sinn und Gedanken auseinanderfallen können. Er erwähnt den Zweifel als einen unsterblichen Feind, der es zu bekämpfen gilt, sowie die Gefahr, von der Täuschung als Wahrheit verführt zu werden. Der Sprecher warnt davor, den Weg zu beschreiten, wenn man sich selbst nicht als zuverlässigen Führer vertrauen kann, da viele auf der Suche nach Licht in eine noch tiefere Dunkelheit gestürzt sind. Abschließend stellt Schiller den unsicheren Pfad des Erwachsenwerdens der sorglosen Kindheit gegenüber, die noch im Dämmerschein wandelt. Das Gedicht vermittelt die Botschaft, dass der Übergang ins Erwachsenenalter mit großen Herausforderungen verbunden ist, aber auch mit der Aussicht auf Erkenntnis und Weisheit belohnt wird. Der junge Freund wird ermutigt, sich diesen Herausforderungen zu stellen, wenn er sich dafür stark genug fühlt, aber auch gewarnt, dass der Weg gefährlich sein kann und nicht jeder ihn erfolgreich bewältigt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Frage
- Weißt du schon, was deiner dort harrt?
- Metapher
- Dämmerschein wandelt die Kindheit dahin
- Personifikation
- Verstand und Herz, Sinn und Gedanken entzwein
- Vergleich
- Manche gingen nach Licht und stürzten in tiefere Nacht nur