Eine Phantasie

Gabriele von Baumberg

1839

Der Weg von Freundschaft bis zur Liebe Ist eine blumenreiche Flur: Nie scheint uns da die Sonne trübe, Und ringsum lächelt die Natur.

Sie leitet uns durch Rosengänge, Und zeigt uns fern ein Paradies: Und Harmonie macht durch Gesänge Uns diese Frühlingsreise süss.

Wohin wir blicken, sehn wir Segen; In jeder Pflanze, jedem Kraut Lacht immer Freud’ uns hold entgegen, Und Hoffnung grünt, wohin man schaut;

Sie flicht aus ihrem eignen Kranze Die schönsten Blätter uns ins Haar: Und leicht umschwebt im leichten Tanze, Gleich Elfen, uns der Wünsche Schaar.

Aus Wünschen werden endlich Triebe, Ein Trupp, der stark uns mit sich zieht: Und plötzlich sind wir in der Liebe Nur allzureizendem Gebieth. -

Doch, ach, wie traurig und wie trübe, Wie freudenlos, wie kalt und lang Ist dann der öde Weg von Liebe Zur Freundschaft! – Welch ein Uebergang!

Wenn Hindernis von allen Seiten Den müden Wanderer bestürmt, Und Berge von Unmöglichkeiten Ihm das Geschick entgegen thürmt!

Da giebt es lauter öde Haiden, Nicht Eine blumenreiche Flur: Und statt der Hoffnung süsser Freuden Geht Schwermuth uns zur Seite nur.

Kurz war der Weg hinan zum Glücke; Der Liebesfreuden bunte Reihn Verkürzten ihn: - doch, ach, zurücke Geht man den langen Weg allein.

Noch glücklich, wem das Chor der Musen Ein süsses Saitenspiel beschert, Das manchmal dem gepressten Busen Erleichterung und Trost gewährt!

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Illustration zu Eine Phantasie

Interpretation

Das Gedicht "Eine Phantasie" von Gabriele von Baumberg beschreibt den Weg von Freundschaft bis zur Liebe als eine blumenreiche Flur, auf der die Natur lächelt und Harmonie die Reise versüßt. Die Freude und Hoffnung begleiten den Wanderer auf diesem Weg, während die Wünsche wie Elfen um ihn herumtanzen. Doch sobald die Liebe erreicht ist, wird der Rückweg zur Freundschaft traurig, trübe und lang. Hindernisse und Unmöglichkeiten türmen sich auf, und anstelle der süßen Freuden der Hoffnung begleitet nur noch die Schwermut den Wanderer. Der Weg zum Glück war kurz, aber der Rückweg allein ist lang und öde. Glücklich ist, wer von den Musen ein süßes Saitenspiel erhält, das dem gepressten Busen Erleichterung und Trost gewährt.

Schlüsselwörter

weg liebe freundschaft blumenreiche flur trübe wohin entgegen

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Stilmittel

Alliteration
Und Harmonie macht durch Gesänge
Bildsprache
Sie leitet uns durch Rosengänge
Hyperbel
Und zeigt uns fern ein Paradies
Kontrast
Kurz war der Weg hinan zum Glücke; / Der Liebesfreuden bunte Reihn / Verkürzten ihn: - doch, ach, zurücke / Geht man den langen Weg allein
Metapher
Noch glücklich, wem das Chor der Musen / Ein süsses Saitenspiel beschert
Personifikation
Und ringsum lächelt die Natur
Vergleich
Gleich Elfen, uns der Wünsche Schaar