Eine horazische Ode in einem Sonett

Daniel Morhof

1639

Indem du jetzt das Feld, o Thaliarchus, siehest Mit weißem Reif umhüllt, so daß der Wald sich senkt, Und wie der dicke Frost die starken Fluthen schränkt, So höre meinen Rath, daß du dich nur bemühest,

Wie du das Holz zur Glut und lichten Flamme ziehest. Zapf’ an ein altes Faß, die Sorg’ auf Gott gesenkt! Das Laub wird ja nicht stets vom Äolus gekränkt. Laß heute heute sein, damit du klüglich fliehest,

Was morgen schaden kann. Nimm deiner Zeit Gewinn, Und schicke traurig sein zum krummen Alter hin. Treib’ deine Ritterspiel’ und dein verliebtes Siegen,

Dein Scherzen mit der Schaar, die gerne sich versteckt, Und mit dem Lachen bald sich wiederum entdeckt, Das darum widerstrebt, daß man es soll bezwingen

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Illustration zu Eine horazische Ode in einem Sonett

Interpretation

Das Gedicht "Eine horazische Ode in einem Sonett" von Daniel Morhof handelt von der Vergänglichkeit der Zeit und der Notwendigkeit, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Der Sprecher, Thaliarchus, wird aufgefordert, sich nicht von den Widrigkeiten des Lebens entmutigen zu lassen, sondern die Freuden des Augenblicks zu suchen und zu schätzen. In der zweiten Strophe wird die Bedeutung von Wärme und Gemeinschaft betont. Der Sprecher rät Thaliarchus, ein Feuer zu entzünden und ein altes Fass Wein zu zapfen, um sich gegen die Kälte und Sorgen zu schützen. Die Metapher des Windes, der das Laub nicht immer kränkt, deutet darauf hin, dass Schwierigkeiten vorübergehen und das Leben weitergeht. Die letzte Strophe ermutigt Thaliarchus, das Leben zu genießen und sich nicht von negativen Emotionen wie Traurigkeit und Sorgen überwältigen zu lassen. Der Sprecher fordert ihn auf, seine Zeit mit Aktivitäten wie Ritterspielen, Liebeserfolgen, Scherzen und Lachen zu verbringen. Das Gedicht endet mit der Idee, dass diese Freuden es wert sind, trotz der Vergänglichkeit des Lebens verfolgt zu werden.

Schlüsselwörter

heute indem feld thaliarchus siehest weißem reif umhüllt

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Stilmittel

Metapher
das darum widerstrebt, daß man es soll bezwingen
Personifikation
das Laub wird ja nicht stets vom Äolus gekränkt