Eine Frühlingsnacht

Theodor Storm

1817

Im Zimmer drinnen ist′s so schwül; Der Kranke liegt auf dem heißen Pfühl.

Im Fieber hat er die Nacht verbracht; Sein Herz ist müde, sein Auge verwacht.

Er lauscht auf der Stunden rinnenden Sand; Er hält die Uhr in der weißen Hand.

Er zählt die Schläge, die sie pickt, Er forschet, wie der Weiser rückt;

Es fragt ihn, ob er noch leb′ vielleicht, Wenn der Weiser die schwarze Drei erreicht.

Die Wartfrau sitzt geduldig dabei, Harrend, bis alles vorüber sei. -

Schon auf dem Herzen drückt ihn der Tod; Und draußen dämmert das Morgenrot.

An die Fenster klettert der Frühlingstag. Mädchen und Vögel werden wach.

Die Erde lacht in Liebesschein, Pfingstglocken läuten das Brautfest ein;

Singende Bursche ziehn übers Feld Hinein in die blühende, klingende Welt. -

Und immer stiller wird es drin; Die Alte tritt zum Kranken hin.

Der hat die Hände gefaltet dicht; Sie zieht ihm das Laken übers Gesicht.

Dann geht sie fort. Stumm wird′s und leer; Und drinnen wacht kein Auge mehr.

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Illustration zu Eine Frühlingsnacht

Interpretation

Das Gedicht "Eine Frühlingsnacht" von Theodor Storm erzählt von einem Sterbenden, der die Nacht im Fieber verbringt. Die Stimmung im Zimmer ist schwül und drückend, während der Kranke auf seinem heißen Bett liegt. Seine Nacht ist von Unruhe und Erschöpfung geprägt, da er im Fieber liegt und sein Auge verwacht ist. Er lauscht auf die vergehende Zeit, hält die Uhr in seiner Hand und zählt die Schläge, während er sich fragt, ob er noch leben wird, wenn der Zeiger die schwarze Drei erreicht. Die Wartfrau sitzt geduldig daneben und wartet darauf, dass alles vorüber ist. Der Tod drückt bereits auf das Herz des Kranken, während draußen das Morgenrot dämmert. Der Frühlingstag klettert ans Fenster, und die Welt erwacht zu neuem Leben. Mädchen und Vögel werden wach, die Erde strahlt in Liebesschein, und die Pfingstglocken läuten das Brautfest ein. Singende Burschen ziehen übers Feld in die blühende, klingende Welt. Im Zimmer wird es immer stiller, und die Alte tritt zum Kranken hin. Der Sterbende hat seine Hände fest gefaltet, und die Alte zieht ihm das Laken über das Gesicht. Dann geht sie fort, und es wird still und leer im Zimmer. Kein Auge wacht mehr drinnen, während draußen die Welt voller Leben und Freude erwacht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
An die Fenster klettert der Frühlingstag
Hyperbel
Die Erde lacht in Liebesschein
Kontrast
Dann geht sie fort. Stumm wird's und leer; Und drinnen wacht kein Auge mehr
Metapher
Die Stunden rinnenden Sand
Personifikation
Mädchen und Vögel werden wach
Symbolik
Der Tod
Wiederholung
Und immer stiller wird es drin