Eine alltägliche Verwirrung
1917Ein alltäglicher Vorfall: sein Ertragen eine alltägliche Verwirrung. A hat mit B aus H ein wichtiges Geschäft abzuschließen. Er geht zur Vorbesprechung nach H, legt den Hin- und Herweg in je zehn Minuten zurück und rühmt sich zu Hause dieser besonderen Schnelligkeit. Am nächsten Tag geht er wieder nach H, diesmal zum endgültigen Geschäftsabschluß. Da dieser voraussichtlich mehrere Stunden erfordern wird, geht A sehr früh morgens fort. Obwohl aber alle Nebenumstände, wenigstens nach As Meinung, völlig die gleichen sind wie im Vortag, braucht er diesmal zum Weg nach H zehn Stunden. Als er dort ermüdet abends ankommt, sagt man ihm, daß B, ärgerlich wegen As Ausbleiben, vor einer halben Stunden zu A in sein Dorf gegangen sei und sie sich eigentlich unterwegs hätten treffen müssen. Man rät A zu warten. A aber, in Angst wegen des Geschäftes, macht sich sofort auf und eilt nach Hause.
Diesmal legt er den Weg, ohne besonders darauf zu achten, geradezu in einem Augenblick zurück. Zu Hause erfährt er, B sei doch schon gleich früh gekommen - gleich nach dem Weggang As; ja, er habe A im Haustor getroffen, ihn an das Geschäft erinnert, aber A habe gesagt, er hätte jetzt keine Zeit, er müsse jetzt eilig fort.
Trotz diesem unverständlichen Verhalten As sei aber B doch hier geblieben, um auf A zu warten. Er habe zwar schon oft gefragt, ob A nicht schon wieder zurück sei, befinde sich aber noch oben in As Zimmer. Glücklich darüber, B jetzt noch zu sprechen und ihm alles erklären zu können, läuft A die Treppe hinauf. Schon ist er fast oben, da stolpert er, erleidet eine Sehnenzerrung und fast ohnmächtig vor Schmerz, unfähig sogar zu schreien, nur winselnd im Dunkel hört er, wie B - undeutlich ob in großer Ferne oder knapp neben ihm - wütend die Treppe hinunterstampft und endgültig verschwindet.
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Interpretation
Das Gedicht "Eine alltägliche Verwirrung" von Franz Kafka beschreibt eine Reihe von absurden und verwirrenden Ereignissen, die dem Protagonisten A widerfahren. Die Erzählung beginnt mit einem scheinbar alltäglichen Vorfall, der sich jedoch schnell zu einer surrealen und chaotischen Situation entwickelt. A soll ein wichtiges Geschäft mit B in der Stadt H abschließen. Am ersten Tag schafft er es, den Hin- und Rückweg in jeweils zehn Minuten zurückzulegen und rühmt sich dieser Schnelligkeit. Am nächsten Tag, als er früh aufbricht, um den endgültigen Geschäftsabschluss zu tätigen, benötigt er jedoch zehn Stunden für den Weg nach H. Dort angekommen, erfährt er, dass B bereits vor einer halben Stunde zu ihm ins Dorf gegangen ist und sie sich unterwegs hätten treffen müssen. A macht sich sofort auf den Rückweg und legt die Strecke in einem Augenblick zurück. Zu Hause angekommen, erfährt er, dass B bereits früh gekommen ist und ihn im Haustor getroffen hat. A habe jedoch gesagt, er hätte keine Zeit und müsse eilig fort. B wartet immer noch auf A, und als A die Treppe hinaufrennt, um ihn zu treffen, stolpert er, erleidet eine Sehnenverletzung und hört, wie B wütend die Treppe hinunterstampft und verschwindet. Die Erzählung verdeutlicht die Absurdität und Verwirrung des Alltags, in der sich A befindet. Die zeitlichen und räumlichen Diskrepanzen, die sich im Verlauf der Geschichte häufen, erzeugen ein Gefühl von Desorientierung und Unbegreiflichkeit. A's Versuche, das Geschäft mit B zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, scheitern aufgrund einer Reihe von unerklärlichen und unglücklichen Ereignissen. Kafka veranschaulicht in diesem Gedicht die Themen der Verwirrung, der Unbegreiflichkeit und der Unmöglichkeit, die Kontrolle über die eigenen Lebensumstände zu behalten. Die surreale und absurde Natur der Ereignisse unterstreicht die Vorstellung, dass das Leben oft unvorhersehbar und unverständlich ist, und dass die Bemühungen des Einzelnen, Ordnung und Sinn in die Welt zu bringen, oft vergeblich sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ambiguität
- Es bleibt unklar, ob B in großer Ferne oder 'knapp neben ihm' ist
- Hyperbel
- Der Weg wird 'in einem Augenblick' zurückgelegt
- Ironie
- A rühmt sich seiner Schnelligkeit, erlebt aber am nächsten Tag eine zehnfach längere Reise
- Kontrast
- Die beiden Tage sind 'völlig die gleichen', führen aber zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen
- Paradox
- A eilt nach Hause, um B zu treffen, findet aber heraus, dass B bereits gegangen ist
- Spannung
- Die steigende Erwartung, B zu treffen, wird durch das Stolpern und die Verletzung abrupt zerstört
- Vorausdeutung
- Die 'Sehnenzerrung' am Ende deutet auf eine unausweichliche Katastrophe hin
- Wiederholung
- Der Hin- und Herweg wird mehrfach beschrieben, wobei sich die Zeiten drastisch ändern