Ein Winterabend
1913Wenn der Schnee ans Fenster fällt, lang die Abendglocken läutet, vielen ist der Tisch bereitet und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft kommt ans Tor auf dunklen Pfaden. Golden blüht der Baum der Gnaden Aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein; Schmerz versteinerte die Schwelle. Da erglänzt in reiner Helle Auf dem Tische Brot und Wein.
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Winterabend" von Georg Trakl thematisiert die Kontraste zwischen innerem Wärme und äußerer Kälte sowie zwischen Geborgenheit und Einsamkeit. Die erste Strophe setzt eine winterliche Szenerie, in der Schnee ans Fenster fällt und Abendglocken läuten, und schafft so eine Atmosphäre der Ruhe und des Übergangs. Der Tisch ist bereitet und das Haus ist wohlbestellt, was auf eine einladende und gastliche Stimmung hindeutet. Die zweite Strophe führt den Wanderer ein, der auf dunklen Pfaden zum Tor kommt. Dieser steht symbolisch für die Einsamkeit und das Ungewisse, im Kontrast zu den in der ersten Strophe beschriebenen Geborgenheitsmomenten. Der "Baum der Gnaden" blüht golden, was Hoffnung und Erneuerung symbolisiert, und steht im Gegensatz zur Kälte der Erde. Die letzte Strophe zeigt den Wanderer, der still eintritt, wobei die Schwelle durch Schmerz versteinert ist. Dies könnte auf vergangene Traumata oder Härten hinweisen. Doch dann erstrahlt in reiner Helle auf dem Tisch Brot und Wein, was auf Gastfreundschaft, Nahrung und Gemeinschaft hindeutet. Das Gedicht schließt mit einer optimistischen Note, die das Potenzial für Wärme und Trost in der Gemeinschaft betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Wenn der Schnee ans Fenster fällt
- Kontrast
- Auf dem Tische Brot und Wein
- Metapher
- Golden blüht der Baum der Gnaden
- Personifikation
- Schmerz versteinerte die Schwelle