Ein Traum

Emmy Hennings

1901

Wir liegen in einem tiefen See Und wissen nichts von Leid und Weh. Wir halten uns umfangen Und Wasserrosen rings umher. Wir sterben und wünschen und wollen nichts mehr. Wir haben kein Verlangen. Geliebter, etwas fehlt mir doch, Einen Wunsch, den hab ich noch: Die Sehnsucht nach der Sehnsucht

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Illustration zu Ein Traum

Interpretation

Das Gedicht "Ein Traum" von Emmy Hennings beschreibt eine Szene der vollkommenen Ruhe und Zufriedenheit. Die Sprecherin und ihr Geliebter liegen in einem tiefen See, umgeben von Wasserrosen, und sind von Leid und Weh befreit. Sie halten sich umschlungen, sterben und wünschen nichts mehr. Es herrscht eine Atmosphäre der vollkommenen Hingabe und des Loslassens. Doch in der letzten Strophe deutet sich eine leise Unzufriedenheit an. Die Sprecherin gibt zu, dass ihr etwas fehlt, obwohl sie alles andere aufgegeben hat. Sie sehnt sich nach der Sehnsucht selbst, nach dem Verlangen und dem Wunsch. Dies deutet darauf hin, dass selbst in einem Zustand der vollkommenen Zufriedenheit ein Teil der menschlichen Natur nach mehr strebt und sich nach etwas Unerreichbarem sehnt. Das Gedicht spielt mit dem Widerspruch zwischen der Sehnsucht nach vollkommener Ruhe und dem menschlichen Bedürfnis nach Verlangen und Wunsch. Es zeigt, dass selbst in einem Zustand der scheinbaren Vollkommenheit ein Teil von uns nach mehr strebt und sich nach dem Gefühl der Sehnsucht selbst sehnt. Die Sprecherin scheint zu erkennen, dass die Sehnsucht ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Daseins ist, selbst wenn sie scheinbar im Widerspruch zur vollkommenen Zufriedenheit steht.

Schlüsselwörter

sehnsucht liegen tiefen see wissen leid weh halten

Wortwolke

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Stilmittel

Kontrast
Die Sehnsucht nach der Sehnsucht
Metapher
Wir liegen in einem tiefen See
Personifikation
Wir sterben und wünschen und wollen nichts mehr
Wiederholung
Wir halten uns umfangen
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