Ein Traum von großer Magie

Hugo von Hofmannsthal

1896

Viel königlicher als ein Perlenband Und kühn wie junges Meer im Morgenduft, So war ein großer Traum - wie ich ihn fand.

Durch offene Glastüren ging die Luft. Ich schlief im Pavillon zu ebner Erde, Und durch vier offne Türen ging die Luft -

Und früher liefen schon geschirrte Pferde Hindurch und Hunde eine ganze Schar An meinem Bett vorbei. Doch die Gebärde

Des Magiers - des Ersten, Großen - war Auf einmal zwischen mir und einer Wand: Sein stolzes Nicken, königliches Haar.

Und hinter ihm nicht Mauer: es entstand Ein weiter Prunk von Abgrund, dunklem Meer Und grünen Matten hinter seiner Hand.

Er bückte sich und zog das Tiefe her. Er bückte sich, und seine Finger gingen Im Boden so, als ob es Wasser wär.

Vom dünnen Quellenwasser aber fingen Sich riesige Opale in den Händen Und fielen tönend wieder ab in Ringen.

Dann warf er sich mit leichtem Schwang der Lenden - Wie nur aus Stolz - der nächsten Klippe zu; An ihm sah ich die Macht der Schwere enden.

In seinen Augen aber war die Ruh Von schlafend- doch lebendgen Edelsteinen. Er setzte sich und sprach ein solches Du

Zu Tagen, die uns ganz vergangen scheinen, Daß sie herkamen trauervoll und groß: Das freute ihn zu lachen und zu weinen.

Er fühlte traumhaft aller Menschen Los, So wie er seine eignen Glieder fühlte. Ihm war nichts nah und fern, nichts klein und groß.

Und wie tief unten sich die Erde kühlte, Das Dunkel aus den Tiefen aufwärts drang, Die Nacht das Laue aus den Wipfeln wühlte,

Genoß er allen Lebens großen Gang So sehr - daß er in großer Trunkenheit So wie ein Löwe über Klippen sprang.

…………………………. Cherub und hoher Herr ist unser Geist - Wohnt nicht in uns, und in die obern Sterne Setzt er den Stuhl und läßt uns viel verwaist:

Doch Er ist Feuer uns im tiefsten Kerne - So ahnte mir, da ich den Traum da fand - Und redet mit den Feuern jener Ferne

Und lebt in mir wie ich in meiner Hand.

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Illustration zu Ein Traum von großer Magie

Interpretation

Das Gedicht "Ein Traum von großer Magie" von Hugo von Hofmannsthal beschreibt einen Traum, in dem der Erzähler auf einen mächtigen Magier trifft. Der Traum ist geprägt von königlicher Pracht und einer surrealen, magischen Atmosphäre. Der Magier steht im Zentrum des Gedichts und wird als eine übernatürliche, fast göttliche Figur dargestellt. Der Magier wird als eine Person mit großer Macht und Weisheit beschrieben. Er kann die Elemente beherrschen, wie zum Beispiel Wasser und Erde, und scheint eine tiefe Verbindung zur Natur und zum Universum zu haben. Der Erzähler ist fasziniert von der Fähigkeit des Magiers, die Schwerkraft zu überwinden und sich wie ein Löwe über Klippen zu bewegen. Der Magier spricht zu vergangenen Tagen und scheint ein tiefes Verständnis für das Schicksal der Menschen zu haben. Das Gedicht endet mit einer Reflexion über den menschlichen Geist. Der Erzähler deutet an, dass der Geist wie ein Cherub oder ein hoher Herr ist, der nicht in uns wohnt, sondern in den Sternen seinen Thron hat. Doch im tiefsten Kern des Menschen gibt es ein Feuer, das mit den Feuern der Ferne kommuniziert. Der Geist lebt in uns, wie wir in unserer Hand leben - eine Metapher für die enge Verbindung zwischen dem Geist und dem Körper.

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Stilmittel

Alliteration
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Bildsprache
Daß sie herkamen trauervoll und groß
Enjambement
Er bückte sich und zog das Tiefe her. Er bückte sich, und seine Finger gingen
Hyperbel
Sein stolzes Nicken, königliches Haar
Metapher
Cherub und hoher Herr ist unser Geist
Personifikation
Doch Er ist Feuer uns im tiefsten Kerne
Symbolik
Opale in den Händen
Vergleich
Wie nur aus Stolz