Ein Traum im Traume
1922Auf die Stirn nimm diesen Kuß! Und da ich nun scheiden muß, Laß mich dir gestehn zum Schluß: Die ihr wähntet, daß ein Traum Meine Tage, irrtet kaum.
Wenn die Hoffnung sich zerschlug - Wann und wo sie auch entflohn, Ob bei Nacht im Schattenflug, Ob am Tage, als Vision - War sie darum weniger Trug? Was sich uns erfüllt, was nicht, Ist im Traum ein Traumgesicht.
Wo die Welle, weiß von Gischt, Um den Brandungsfelsen zischt, Steh ich, und vom goldnen Sand Halt ich Körner in der Hand. Wenige! Doch selbst diese, ach! Gleiten in die Flut gemach, Und ich weine ihnen nach. O Gott! wie halt ich sie in Haft, Daß nicht alle mir entrafft! O Gott! Kann ich nicht eins der Flut Entziehn in meine sich′re Hut? Ist alles, was wir kaum Zu eigen nannten, Traum im Traum?
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Traum im Traume" von Edgar Allan Poe handelt von der Vergänglichkeit und der Illusion des Lebens. Der Sprecher erkennt, dass das, was wir als Realität wahrnehmen, möglicherweise nur ein Traum im Traum ist. Er vergleicht das Leben mit Körnern, die ihm durch die Finger gleiten und von den Wellen fortgespült werden. Das Gedicht drückt eine tiefe Sehnsucht und Traurigkeit über die Unfähigkeit aus, die flüchtigen Momente des Lebens festzuhalten. Im ersten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die Natur von Hoffnung und Realität. Er deutet an, dass selbst die Hoffnung, die sich zerschlägt, nicht weniger täuschend ist. Die Unterscheidung zwischen dem, was sich erfüllt, und dem, was nicht, ist im Traum verschwommen. Der Sprecher steht am Strand und hält Körner in der Hand, die ihm langsam entgleiten und von den Wellen fortgespült werden. Dies symbolisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die Unfähigkeit, die flüchtigen Momente festzuhalten. Im zweiten Teil des Gedichts wird die tiefe Traurigkeit und Sehnsucht des Sprechers deutlich. Er fragt sich, ob alles, was wir als unser Eigenes betrachten, nur ein Traum im Traum ist. Die Körner, die ihm durch die Finger gleiten, symbolisieren die flüchtigen Momente des Lebens, die uns entgleiten und von der Zeit fortgespült werden. Der Sprecher sehnt sich danach, diese Momente festzuhalten und zu bewahren, aber er erkennt, dass dies unmöglich ist. Das Gedicht endet mit einer tiefen Resignation und der Erkenntnis, dass das Leben möglicherweise nur eine Illusion ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ob bei Nacht im Schattenflug, Ob am Tage, als Vision
- Metapher
- Daß nicht alle mir entrafft
- Personifikation
- Wenn die Hoffnung sich zerschlug
- Symbolik
- goldnen Sand