Ein Traum
1821Wenn oft ich einsam saß und allein, Dann wiegte der lieblichste Traum mich ein, Sein weicher Arm mich liebend umschlang, Sein Mund die süßesten Lieder sang.
Er legt′ auf′s Herz sich erfrischend und mild, Wie Thau auf dürstende Blumen quillt, Er säuselt′ um mich wie im Schilfe der Wind Und kühlte die brennende Stirne lind.
Er war so heiter, so golden schön, Wie die Sonne strahlt um der Berge Höh′n, Wenn sie noch einmal aus Wolken bricht, Eh′ in Nacht versinket ihr glänzend Licht.
Umwoben von seinem Zauberband Vergaß ich des Lebens Schmerz und Tand, War reich von seliger Ahnung erfüllt, Wie einst sich des Herzens Räthsel enthüllt.
Und wenn ich traurig und müde war, Dann schloß ich zum Traume mein Augenpaar, Und träumte Frieden mir in die Brust, Bis nicht mehr des Schmerzes ich war bewußt,
Bis Himmelswonne die Seele durchzog - Ach! daß der grausame Traum nur log; Er ist dahin, das Erwachen war schwer, Herz, mein Herz, o, träume nicht mehr!
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Traum" von Luise Büchner thematisiert die Sehnsucht nach Trost und Erfüllung, die sich in einem tröstenden Traum manifestiert. Die lyrische Ich-Person erlebt den Traum als einen liebevollen Begleiter, der sie in einsamen Momenten umarmt und mit süßen Liedern erfreut. Der Traum wird als erfrischend und sanft beschrieben, vergleichbar mit Tau auf durstigen Blumen oder einem kühlen Windhauch. Diese Bilder vermitteln eine Atmosphäre der Geborgenheit und Erleichterung von seelischem Druck. In der zweiten Strophe wird der Traum als heiter und golden schön dargestellt, vergleichbar mit der Sonne, die aus den Wolken bricht. Diese Metapher unterstreicht die positive, erhebende Wirkung des Traumes, der einen kurzen Moment des Glücks und der Klarheit bringt, bevor er wieder vergeht. Der Traum ermöglicht es der lyrischen Ich-Person, die Sorgen des Lebens zu vergessen und sich von einer seligen Ahnung erfüllt zu fühlen, als ob sich ein Rätsel des Herzens gelöst hätte. Doch der Traum ist vergänglich und trügerisch. In der letzten Strophe wird deutlich, dass das Erwachen schmerzhaft ist, da der Traum nur eine Illusion war. Die lyrische Ich-Person bittet ihr Herz, nicht mehr zu träumen, da die Realität des Erwachens zu schwer zu ertragen ist. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Melancholie über die Vergänglichkeit schöner Momente und die Unmöglichkeit, im Traum wahres Glück zu finden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Herz, mein Herz, o, träume nicht mehr!
- Metapher
- daß der grausame Traum nur log
- Personifikation
- Sein Mund die süßesten Lieder sang
- Vergleich
- Wie die Sonne strahlt um der Berge Höh′n