Ein Traum
1849Oft fand ich mein entschwundnes Glück In einem nächtlichen Gesicht, Doch ließ mich hoffnungslos zurück Ein wacher Traum im Tageslicht.
Ach, was ist nicht ein solcher Traum Für ihn, der mitten in der Flucht Der Dinge über Zeit und Raum Der Seele einen Stützpunkt sucht!
O dieser Traum - dieweil in Qual Und Wirrnis um mich lag die Welt - Hat wie ein Schutzgeist manches Mal Sich zu mir Einsamen gesellt.
Was durch der Täuschung Dämmerlicht So tröstend schimmerte von fern - War es dem Herzen teurer nicht, Als selbst der Wahrheit Tagesstern?
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Traum" von Edgar Allan Poe beschäftigt sich mit der Thematik des Träumens und dessen Auswirkungen auf das menschliche Empfinden. Der Sprecher schildert, wie er in nächtlichen Visionen sein verlorenes Glück wiederfindet, jedoch bei Erwachen hoffnungslos zurückbleibt. Diese Gegenüberstellung von nächtlichen Träumen und wachem Traum im Tageslicht verdeutlicht die Ambivalenz des Träumens als sowohl tröstende als auch enttäuschende Erfahrung. Der zweite Teil des Gedichts vertieft die Bedeutung des Traums für den Menschen, der sich durch die Flüchtigkeit der Dinge verloren fühlt. Der Traum wird hier als ein "Stützpunkt" für die Seele beschrieben, der Halt und Orientierung in einer chaotischen Welt bietet. Der Sprecher betont die besondere Bedeutung dieses Traums in Zeiten der Qual und Wirrnis, indem er ihn mit einem Schutzgeist vergleicht, der sich dem Einsamen zugesellt. Im letzten Teil des Gedichts stellt der Sprecher die tröstende Wirkung des Traums der Wahrheit gegenüber. Er fragt, ob das durch die Dämmerung der Täuschung von fern schimmernde Licht nicht dem Herzen teurer sei als der "Tagesstern der Wahrheit". Diese rhetorische Frage lässt vermuten, dass der tröstende Schein des Traums in seiner emotionalen Wirkung der nüchternen Realität überlegen sein könnte. Das Gedicht endet somit mit einer ambivalenten Aussage über den Wert von Illusion und Wahrheit für das menschliche Empfinden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegenüberstellung
- Täuschung Dämmerlicht - Wahrheit Tagesstern
- Hyperbel
- manches Mal
- Metapher
- Schutzgeist
- Personifikation
- Schutzgeist sich zu mir Einsamen gesellt