Ein Stündlein wohl vor Tag

Eduard Mörike

1837

Derweil ich schlafend lag, ein Stündlein wohl vor Tag, sang vor dem Fenster auf dem Baum ein Schwälblein mir, ich hört′ es kaum - ein Stündlein wohl vor Tag:

“Hör′ an was ich dir sag′! Dein Schätzlein ich verklag′: Derweil ich dieses singen tu′, herzt er ein Lieb in guter Ruh′, ein Stündlein wohl vor Tag.”

O weh! nicht weiter sag′! O still! nichts hören mag. Flieg′ ab, flieg′ ab von meinem Baum! - Ach, Lieb′ und Treu′ ist wie ein Traum ein Stündlein wohl vor Tag.

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Illustration zu Ein Stündlein wohl vor Tag

Interpretation

Das Gedicht "Ein Stündlein wohl vor Tag" von Eduard Mörike erzählt von einem Mann, der in den frühen Morgenstunden von einem kleinen Vogel geweckt wird. Der Vogel singt ein Lied, das den Mann über die Untreue seiner Geliebten informiert. Der Mann ist schockiert und wünscht sich, nichts davon gehört zu haben. Er bittet den Vogel, von seinem Baum zu fliegen und das Lied nicht weiter zu singen. Das Gedicht thematisiert die Themen Liebe, Treue und Verrat. Der Mann ist tief verletzt von der Nachricht, dass seine Geliebte ihn betrügt. Er fühlt sich betrogen und hintergangen. Die Wiederholung des Satzes "ein Stündlein wohl vor Tag" unterstreicht die Traurigkeit und Verzweiflung des Mannes. Es ist, als ob die Zeit stillsteht und er sich in einem Alptraum gefangen fühlt. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass Liebe und Treue oft nur ein Traum sind. Der Mann muss sich damit abfinden, dass seine Geliebte ihn betrogen hat und dass er nicht mehr auf ihre Treue zählen kann. Das Gedicht ist ein eindringliches Plädoyer für Ehrlichkeit und Treue in der Liebe.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Der Ausdruck 'ein Stündlein wohl vor Tag' wird am Ende jeder Strophe wiederholt, was eine Anapher darstellt.
Imperativ
Die Aufforderung 'Flieg′ ab, flieg′ ab von meinem Baum!' ist ein Imperativ, der den Vogel auffordert zu gehen.
Interjektion
Die Ausrufe 'O weh!' und 'O still!' sind Beispiele für Interjektionen, die starke Emotionen ausdrücken.
Metapher
Die Zeile 'Ach, Lieb′ und Treu′ ist wie ein Traum' verwendet eine Metapher, um die Vergänglichkeit oder Unwirklichkeit von Liebe und Treue zu beschreiben.
Personifikation
Das 'Schwäblein' wird als singender Vogel dargestellt, der eine Botschaft überbringt, was eine Personifikation ist.