Ein Strolch sieht spielende Kinder

Joachim Ringelnatz

1883

Die kleinen Kinder sind so groß. Sie umarmen sonnigen Sand. Mir geben sie einfach einen Stoß. Und greifen nach einer Frauenhand. Sie jauchzen ohne Scham und Verstand Nackt in eines Fräuleins Schoß.

Soll ich sie nach dem Wege fragen, Weil ich mich nicht an Erwachsne getrau. Sie wissen mir doch nichts zu sagen, Zeigen mir nur ein fremdes Geschau, Wie - Seehunde unter Menschen verschlagen.

Die Kinder sind so groß. Ich bin klein. Sie sind so sauber; ich bin ein Schwein. Ich suche Arbeit und Geld und Bett. Sie wollen nur ins Freie.

Wenn ich Kinder - oder eine Mutter hätt′ -

Wie sie es schreien, ihr Ringelreihe! Wer möchte ihnen das Spiel verderben. Aber doch: Jetzt - so - müssten sie sterben.

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Illustration zu Ein Strolch sieht spielende Kinder

Interpretation

Das Gedicht "Ein Strolch sieht spielende Kinder" von Joachim Ringelnatz beschreibt die Perspektive eines obdachlosen Mannes, der Kinder beim Spielen beobachtet. Der Strolch fühlt sich klein und unwichtig im Vergleich zu den Kindern, die voller Freude und Unschuld sind. Er beneidet sie um ihre sorglose Existenz und wünscht sich selbst eine Familie oder zumindest eine Mutter, die sich um ihn kümmert. Der Strolch ist auf der Suche nach Arbeit, Geld und einem Schlafplatz, während die Kinder nur das Freie wollen. Das Gedicht endet mit einem ironischen Twist, indem der Strolch sagt, dass die Kinder jetzt sterben müssten, was auf die harte Realität des Lebens und die Unvereinbarkeit von Unschuld und Überleben hindeutet.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Ironie
Soll ich sie nach dem Wege fragen, / Weil ich mich nicht an Erwachsne getrau
Kontrast
Die kleinen Kinder sind so groß. / Ich bin klein.
Metapher
Sie sind so sauber; ich bin ein Schwein
Personifikation
Wer möchte ihnen das Spiel verderben
Vergleich
Wie - Seehunde unter Menschen verschlagen