Ein Stelldichein
1920So war′s auch damals schon. So lautlos verhing die dumpfe Luft das Land, und unterm Dach der Trauerbuche verfingen sich am Gartenrand die Blütendünste des Holunders; stumm nahm sie meine schwüle Hand, stumm vor Glück.
Es war wie Grabgeruch … Ich bin nicht schuld! Du blasses Licht da drüben im Geschwele, was stehst du wie ein Geist im Leichentuch - lisch aus, du Mahnbild der gebrochnen Seele! Was starrst du mich so gottesäugig an? Ich brach sie nicht: sie tat es selbst! Was quäle ich mich mit fremdem Unglück ab …
Das Land wird grau; die Nacht bringt keinen Funken, die Weiden sehn im Nebel aus wie Rauch, der schwere Himmel scheint ins Köm gesunken. Still hängt das Laub am feuchten Strauch, als hätten alle Blätter Gift getrunken; so still liegt sie nun auch. Ich wünsche mir den Tod.
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Stelldichein" von Richard Dehmel handelt von einem Treffen zweier Liebenden, das von einer düsteren und bedrückenden Atmosphäre geprägt ist. Die Natur wird als still und schwermütig beschrieben, was die Stimmung des Gedichts widerspiegelt. Die Liebenden halten sich an den Händen, aber es herrscht eine tiefe Traurigkeit und Schwere in der Luft. Im zweiten Teil des Gedichts wird eine andere Szene beschrieben, in der der Sprecher mit Schuldgefühlen und inneren Konflikten kämpft. Er wird von einem "blassen Licht" konfrontiert, das ihn an eine gebrochene Seele erinnert. Der Sprecher betont, dass er nicht schuld sei an dem Unglück, das geschehen ist, und fühlt sich von der Last des Fremden belastet. Im letzten Teil des Gedichts wird die Natur erneut als düster und bedrohlich beschrieben. Die Nacht bringt keine Hoffnung oder Erleuchtung, sondern verstärkt nur die Schwermut. Der Sprecher wünscht sich den Tod, was die tiefe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit verdeutlicht, die er empfindet. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Resignation und dem Wunsch nach Erlösung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- stumm nahm sie meine schwüle Hand
- Anspielung
- Es war wie Grabgeruch
- Assonanz
- stumm vor Glück
- Enjambement
- So war′s auch damals schon. So lautlos verhing die dumpfe Luft das Land
- Metapher
- verfingen sich am Gartenrand die Blütendünste
- Personifikation
- die dumpfe Luft das Land
- Vergleich
- die Weiden sehn im Nebel aus wie Rauch