Ein nett honett Sonett...
1892Ein nett honett Sonett so nett zu drechseln Ist nicht so leicht, ihr Kinderchen, das wett′ ich, Ihr nennt′s Sonett, doch klingt es nicht sonettig, Statt Haber füttert ihr den Gaul mit Hexeln.
Dergleichen Dinge muß man nicht verwechseln; Ein Unterschied ist zwischen einen Rettig, Und ritt′ ich, rutsch′ ich, rumpl′ ich, oder rett′ ich, Auch Dichten, Dünnen, Singen, Krähen, Krächzeln.
Drum liegt im Hafen stille doch ein Weilchen, Und lasset hier das kranke Schiff ausbessern, Es zeigt mehr Leck′ als Schiff in seiner Fläche:
Noch lecker wird es, ihr bezahlt die Zeche, Doch dünkt uns lecker nicht ein einzig Zeilchen; Nach lauem Wasser kann kein Mund je wässern.
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Interpretation
Das Gedicht "Ein nett honett Sonett..." von Ludwig Tieck handelt von der Schwierigkeit, ein gelungenes Sonett zu verfassen. Tieck kritisiert, dass viele Menschen den Begriff Sonett unbedacht verwenden, ohne die notwendige Form und den Klang zu erfüllen. Er vergleicht dies mit dem Füttern eines Pferdes mit Stroh statt mit Hafer und betont die Wichtigkeit von Unterschieden in der Sprache. Tieck fordert den Leser auf, das Sonett sorgfältig zu überarbeiten, da es mehr Fehler als Gedicht enthält. Er warnt davor, dass das Gedicht, wenn es nicht verbessert wird, nur noch "leck" (also nicht mehr dicht) sein wird und die Leser enttäuscht sein werden. Das Gedicht endet mit der Metapher, dass ein Mund nach lauwarmem Wasser nicht wässern kann, was bedeutet, dass ein Gedicht, das nicht ansprechend ist, keine Leser anziehen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ein nett honett Sonett so nett zu drechseln
- Bildsprache
- Es zeigt mehr Leck′ als Schiff in seiner Fläche
- Hyperbel
- Noch lecker wird es, ihr bezahlt die Zeche
- Ironie
- Ihr nennt′s Sonett, doch klingt es nicht sonettig
- Kontrast
- Ein Unterschied ist zwischen einen Rettig, Und ritt′ ich, rutsch′ ich, rumpl′ ich, oder rett′ ich
- Metapher
- Statt Haber füttert ihr den Gaul mit Hexeln
- Paradox
- Nach lauem Wasser kann kein Mund je wässern
- Personifikation
- Drum liegt im Hafen stille doch ein Weilchen