Ein Narr in Folio

Friedrich Hebbel

1813

»Dichter sollte ich sein, doch will es leider die Zeit nicht; Wäre sie, was sie nicht ist, wäre ich, was ich nicht bin!« Schwanger fühle ich mich, den Heiland könnt′ ich gebären, Aber die Stunde ist schlecht, und ich ersticke das Kind. Schweig mir, Vettel, denn hätte der Himmel dich wirklich gesegnet, Brächtest du′s freudig zur Welt, fehlten auch Krippe und Stall.

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Interpretation

Das Gedicht "Ein Narr in Folio" von Friedrich Hebbel handelt von einem Menschen, der sich als Dichter fühlt, aber durch die Umstände seiner Zeit daran gehindert wird, sein Talent zu entfalten. Er vergleicht sich mit einer schwangeren Frau, die einen Heiland gebären könnte, aber die "Stunde ist schlecht" und er "ersticht das Kind". Dies symbolisiert, dass er seine dichterische Begabung nicht ausleben kann und seine Werke ungeschrieben bleiben. Der Sprecher fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden und kritisiert die Menschen, die ihn nicht unterstützen. Er wendet sich direkt an eine Person namens "Vettel" und sagt ihr, sie solle schweigen. Er deutet an, dass selbst wenn Vettel von Gott gesegnet wäre und seine Werke zur Welt brächte, es an den notwendigen Bedingungen für ihre Entfaltung fehlen würde - es gäbe keine "Krippe und Stall", also keine förderliche Umgebung. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von Frustration und Resignation. Der Sprecher ist sich seiner Begabung bewusst, fühlt sich aber durch äußere Umstände daran gehindert, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Er klagt über die Unzulänglichkeit seiner Zeit und die mangelnde Unterstützung durch sein Umfeld. Das Gedicht thematisiert den Konflikt zwischen individueller Begabung und gesellschaftlichen Zwängen.

Schlüsselwörter

wäre dichter sollte will leider zeit schwanger fühle

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Wäre sie, was sie nicht ist, wäre ich, was ich nicht bin
Anspielung
fehlten auch Krippe und Stall
Hyperbel
aber die Stunde ist schlecht, und ich ersticke das Kind
Metapher
Schwanger fühle ich mich, den Heiland könnt' ich gebären
Personifikation
doch will es leider die Zeit nicht