Ein Lied hinterm Ofen zu singen
1782Der Winter ist ein rechter Mann, kernfest und auf die Dauer; sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an und scheut nicht süß noch sauer.
War je ein Mann gesund, ist er′s; er krankt und kränkelt nimmer, weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs und schläft im kalten Zimmer.
Er zieht sein Hemd im Freien an und läßt′s vorher nicht wärmen und spottet über Fluß im Zahn und Kolik in Gedärmen.
Aus Blumen und aus Vogelsang weiß er sich nichts zu machen, haßt warmen Drang und warmen Klang und alle warmen Sachen.
Doch wenn die Füchse bellen sehr, wenn′s Holz im Ofen knittert, und um den Ofen Knecht und Herr die Hände reibt und zittert;
wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht und Teich′ und Seen krachen; das klingt ihm gut, das haßt er nicht, dann will er sich tot lachen. -
Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus beim Nordpol an dem Strande; doch hat er auch ein Sommerhaus im lieben Schweizerlande.
So ist′ er denn bald dort, bald hier, gut Regiment zu führen. Und wenn er durchzieht, stehen wir und sehn ihn an und frieren.
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Lied hinterm Ofen zu singen" von Matthias Claudius porträtiert den Winter als einen robusten, unerschütterlichen Mann, der sich durch seine Härte und Widerstandsfähigkeit auszeichnet. Claudius beschreibt den Winter als jemanden, der immun gegen Krankheiten und Unannehmlichkeiten ist, der im kalten Zimmer schläft und sich nicht vor der Kälte fürchtet. Der Winter wird als jemand dargestellt, der die Wärme und den Komfort ablehnt und stattdessen die Härte und Strenge der Jahreszeit bevorzugt. In der zweiten Hälfte des Gedichts wird der Winter als jemand dargestellt, der Freude an den extremen Bedingungen findet, die er mit sich bringt. Claudius beschreibt, wie der Winter über das Zittern und Klappern der Menschen lacht, die versuchen, sich vor der Kälte zu schützen. Der Winter wird als jemand dargestellt, der zwischen seinem "Schloss von Eis" am Nordpol und seinem "Sommerhaus" in der Schweiz pendelt, was seine allgegenwärtige und unaufhaltsame Natur unterstreicht. Insgesamt zeichnet Claudius ein Bild des Winters als einer mächtigen, unerbittlichen Kraft, die sowohl gefürchtet als auch bewundert wird. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass der Winter, trotz seiner Härte, eine gewisse Schönheit und Majestät besitzt, die in seiner Fähigkeit liegt, die Natur und die Menschen in seinen Bann zu ziehen und zu beherrschen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs
- Enjambement
- Der Winter ist ein rechter Mann, kernfest und auf die Dauer; sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an und scheut nicht süß noch sauer.
- Hyperbel
- Und wenn er durchzieht, stehen wir und sehn ihn an und frieren
- Kontrast
- Doch wenn die Füchse bellen sehr, wenn's Holz im Ofen knittert, und um den Ofen Knecht und Herr die Hände reibt und zittert; wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht und Teich' und Seen krachen; das klingt ihm gut, das haßt er nicht, dann will er sich tot lachen
- Metapher
- Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus beim Nordpol an dem Strande
- Personifikation
- Der Winter wird als 'rechter Mann' beschrieben, der 'kernfest und auf die Dauer' ist.
- Symbolik
- Der Winter als Symbol für Härte und Kälte
- Vergleich
- Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an