Ein Lied gegen Ihren Seel: Abschied

Sibylla Schwarz

1637

Pfui / Pfui dich an du schnöde Welt / du trübe Jammer=Schule / du Störefried / du Kummerfeld / du rechter Satans=Buhle! fahr hin / fahr hin / ich lasse dich / Gott / mein Erlöser fordert mich. Fahr hin mit deiner stoltzen Pracht / mit deinem geilen Hauffen / wie schwerlich wirstu Gottes Macht / und reiffem Zorn entlauffen / Fahr immer hin / Gott ist bey mir / mein bleiben ist nicht mehr bey dihr. Wer ist / der in dir Ruhe find / der Bässerung verspüret? Gott Lob mich / als ein seeligs Kind / die Allmacht Gottes führet / da ich / entbürdet aller Last / sol seyn ein wehrter Himmels=Gast. Drümb schwinge / dringe dich empor / du mein geplagtes Herze! Auf / auf / gib keinem nicht das Ohr / das Zagen macht und Schmerze! wirf alles frey auß deinem Sinn / was Welt und eitel ist / dahin. Sieh da / des Jacobs Leiter steht schon Himmelwerts erhoben / das Englische Geleide geht / und bringt die Post vohn droben: Auf / auf / mit uns in schneller Frist / der Zeiger außgelauffen ist. Kein Noht noch Tod erschrecke dich / kein böses lass dir träumen! da Lottes Weib sah hinter sich / mußt sie die Stette räumen: drumb gehe frisch und frewdig fort den engen Weg zuhr Himmels=Pfort. Den harten Todes=Kampf tritt an / du meine liebe Seele / geh an die wehrte Himmels=bahn / lass deines Cörpers Höle / der wird gar bald zu seiner Zeit dir nachzufolgen seyn bereit.

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Illustration zu Ein Lied gegen Ihren Seel: Abschied

Interpretation

Das Gedicht "Ein Lied gegen Ihren Seel: Abschied" von Sibylla Schwarz ist ein tief empfundenes Abschiedsgedicht, das die Seele des lyrischen Ichs dazu aufruft, sich von der weltlichen Existenz zu lösen und sich auf den Weg ins himmlische Reich zu begeben. Die Welt wird als "schnöde Welt", "Jammer-Schule" und "Satans-Buhle" beschrieben, was ihre Vergänglichkeit und den damit verbundenen Kummer unterstreicht. Das lyrische Ich fordert die Seele auf, sich von weltlichen Verlockungen und Ängsten zu befreien und sich auf Gott zu konzentrieren, der als Erlöser und Führer dient. Die Seele wird ermutigt, sich von weltlichen Sorgen und Ängsten zu lösen und sich auf den "engen Weg zur Himmels-Pforte" zu begeben. Die Metapher der "Jacobs Leiter" symbolisiert den Aufstieg in den Himmel, begleitet von himmlischen Boten. Das Gedicht betont die Unausweichlichkeit des Todes und den Übergang in das ewige Leben, wobei der Tod als "harter Todes-Kampf" beschrieben wird, der jedoch letztendlich zum Ziel führt. Die Abschiednahme von der Welt wird als notwendiger Schritt zur Erlangung ewigen Glücks und zur Vereinigung mit Gott dargestellt. Das lyrische Ich ermutigt die Seele, mutig und freudig den Weg ins Jenseits zu beschreiten, ungeachtet der irdischen Ängste und Herausforderungen. Die Seele wird als "wehrachter Himmels-Gast" bezeichnet, was ihre erwartete Aufnahme in das himmlische Reich unterstreicht.

Schlüsselwörter

fahr hin gott himmels pfui welt gottes macht

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Stilmittel

Anapher
Pfui / Pfui dich an du schnöde Welt / du trübe Jammer=Schule / du Störefried / du Kummerfeld / du rechter Satans=Buhle!
Anspielung
da Lottes Weib sah hinter sich
Apostrophe
Pfui / Pfui dich an du schnöde Welt
Hyperbel
mit deiner stoltzen Pracht / mit deinem geilen Hauffen
Imperativ
drumb gehe frisch und frewdig fort
Metapher
dir nachzufolgen seyn bereit
Parallelismus
Fahr hin / fahr hin / ich lasse dich / Gott / mein Erlöser fordert mich.
Personifikation
Fahr immer hin / Gott ist bey mir
Rhetorische Frage
Wer ist / der in dir Ruhe find / der Bässerung verspüret?