Ein Held

Anastasius Grün

1806

Im Lippenrosenbett geboren Ward uns das freie Wort, ein Held; Wer sieht’s dem Weichling an, erkoren Sei er zu herrschen ob der Welt?

Wie lang, daß festen Tritt er lerne, Ist er ans Gängelband verdammt, Bis ihn, gediehn zu Mark und Kerne, Des Gottes Funke ganz durchflammt.

In Kindesunschuld würgt er spielend Alciden gleich der Schlangen Schwall, Vom Firmamente holt ihm zielend Manch schönen Stern sein Kinderball.

Am Haupt den Kranz von Blüthenflocken, Der Glieder Bau so schön geschwellt, Weiß er als Jüngling süß zu locken Die Liebe, wie es ihm gefällt.

Gereift zum Manne tritt an Throne, In Erz gerüstet, fordernd er, Da springt entzwei manch eine Krone, Da flammt manch andre doppelt hehr.

Nun tritt er euch als Greis entgegen Am Dom im Hohenpriesterkleid, Vom Himmel läßt er strömen Segen, Es kniet das Volk, die Saat gedeiht!

Er liebt’s, zu schweifen durch die Lande, Sich zaubernd vielerlei Gestalt, Als Prasser bald im Prachtgewande, Als Bettler nackt und dürftig bald.

Nicht schmeichelt er den Staubessöhnen, Sie sandten Schergen, ihn zu fahn, Da hörten sie aus Wolken dröhnen Den Ruf: Ihr sollt ihn lassen stahn!

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Illustration zu Ein Held

Interpretation

Das Gedicht "Ein Held" von Anastasius Grün erzählt die Lebensgeschichte eines Helden, der als freies Wort geboren wird und sich im Laufe seines Lebens zu einem mächtigen und verehrten Führer entwickelt. Der Held durchläuft verschiedene Lebensphasen, vom Kind, das sich mit Herausforderungen auseinandersetzt, über den Jüngling, der die Herzen der Menschen erobert, bis hin zum Mann, der Throne besteigt und als Greis als geistlicher Führer verehrt wird. Der Held ist ein wandelbares Wesen, das verschiedene Gestalten annimmt und sich nicht von den Mächtigen einschüchtern lässt. Das Gedicht beschreibt den Helden als ein freies Wort, das in einem "Lippenrosenbett" geboren wird. Dies deutet darauf hin, dass der Held eine natürliche Gabe für die Rede und die Macht der Worte besitzt. Im Laufe seiner Kindheit lernt er, festen Tritt zu fassen und sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, bis er schließlich von einem göttlichen Funken durchdrungen wird. Als Jüngling nutzt der Held seine Schönheit und Anziehungskraft, um die Liebe zu gewinnen und die Herzen der Menschen zu erobern. Im Erwachsenenalter tritt er an Throne heran, um seine Macht und seinen Einfluss zu demonstrieren. Einige Kronen brechen unter seinem Einfluss, während andere noch heller erstrahlen. Als Greis wird er als geistlicher Führer verehrt, der Segen vom Himmel sendet und das Volk segnet. Der Held ist ein wanderndes Wesen, das verschiedene Gestalten annimmt. Er kann als Prasser in prächtiger Kleidung erscheinen oder als Bettler nackt und arm. Er schmeichelt sich nicht bei den Mächtigen und lässt sich nicht einschüchtern. Als die Mächtigen versuchen, ihn zu fangen, ertönt eine Stimme aus den Wolken, die sie auffordert, ihn in Ruhe zu lassen. Dies deutet darauf hin, dass der Held eine höhere Bestimmung hat und von einer göttlichen Macht beschützt wird.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Manch schönen Stern sein Kinderball
Metapher
Den Ruf: Ihr sollt ihn lassen stahn!
Personifikation
Des Gottes Funke ganz durchflammt
Symbolik
Am Dom im Hohenpriesterkleid
Vergleich
Alciden gleich der Schlangen Schwall