Ein Hand-Buch?
1876Ob sich eine Laune fände, Die mir eure Chronik schriebe, Sinngetreu, ihr meine Hände: Nacht- und Tagebuch der Liebe?
Fändest du vielleicht es reizend, Rechte Hand, mir zu Gefallen, Stil-ertastend, finger-spreizend, Einst-Umkralltes zu umkrallen?
Alle liebliche Erfahrung In ein dichtes Wort zu pressen Und der wildesten Gebahrung Knappste Kleidung anzumessen?
… Nein! die Hand-Schrift sei verhindert, Übersinnlich nichts erbeutet! Qual verharre ungelindert! Kein Geheimnis sei gedeutet!
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Hand-Buch?" von Ferdinand Hardekopf handelt von der Idee, die Chronik der Liebe durch die Hände zu schreiben. Der Sprecher fragt sich, ob es eine Laune gibt, die ihm die Hände dazu bringen könnte, ein Tagebuch der Liebe zu verfassen. Er stellt sich vor, wie seine rechte Hand, ihm zu Gefallen, die Erfahrungen der Liebe in Worte fasst und die wildesten Gebärden in prägnante Form kleidet. Der Sprecher scheint jedoch zu erkennen, dass es unmöglich ist, die Liebe durch die Hände zu beschreiben. Er lehnt die Idee ab und sagt, dass die Hand-Schrift verhindert werden soll. Er möchte, dass die Qual der Liebe ungelindert bleibt und kein Geheimnis der Liebe entschlüsselt wird. Das Gedicht endet mit einer Ablehnung der Idee, die Liebe durch die Hände zu schreiben, und einer Betonung der Unmöglichkeit, die Liebe in Worte zu fassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- liebliche Erfahrung
- Bildsprache
- Stil-ertastend, finger-spreizend
- Kontrast
- Knappste Kleidung anzumessen
- Metapher
- Übersinnlich nichts erbeutet
- Personifikation
- Qual verharre ungelindert
- Rhetorische Frage
- Ob sich eine Laune fände, Die mir eure Chronik schriebe
- Wiederholung
- Kein Geheimnis sei gedeutet