Ein gülden A B C

Matthias Claudius

1817

A

Armut des Geistes Gott erfreut; Armut, und nicht Armseligkeit.

B

Besprich dich nicht mit Fleisch und Blut, Fahr zu, gleich zu, wie Paulus tut,

C

Creuz ist ein Kraut, wenn man es pflegt, Das ohne Blüte Früchte trägt.

D

Dürst nicht nach Rache und nach Blut; Vergeben wäre wohl so gut.

E

Ein edles Herz glänzt hell und hold, Ein gutes ist gediegen Gold.

F

Für was du Gutes hier getan, Nimm keinen Lohn von Menschen an.

G

Gedultig sein – Herr lehr es mich, Ich bitte dich, ich bitte dich.

H

Hau deinen Götzen mutig um, Er sei Geld, Wollust oder Ruhm.

I

In dir ein edler Sklave ist, Dem du die Freiheit schuldig bist.

K

Kämpf und erkämpf dir eignen Wert; Hausbacken Brot am besten nährt.

L

Liebt euch auf Erden, liebt, und wißt, Daß Gott im Himmel Liebe ist.

M

Merk auf die Stimme tief in dir; Sie ist des Menschen Kleinod hier.

N

Nimm wahr der Zeit; sie eilet sich, Und kommt nicht wieder ewiglich.

O

O Herr lehr uns bedenken wohl, Daß wir sind sterblich allzumal.

P

Parabeln sind wohl fein und schön, Doch muß sie einer auch verstehn. QQuäl nicht dein Herz ohn Unterlaß, Ein freier Mut gefällt Gott baß.

R

Recht halte heilig bis in’n Tod, So bleibt ein Freund dir in der Not.

S

Straf keck das Böse ins Gesicht; Vergiß dich aber selber nicht.

T

Treib Tugend jeden Augenblick; Wer nicht voran geht, geht zurück.

U

Und wenn sie alle dich verschrein, So wickle in dich selbst dich ein.

V

Verlaß dich nicht auf diese Welt; Sie ist Schaum, der zusammenfällt.

W

Wie wird es dann, o dann uns sein, Wenn wir der bessern Welt uns freun?

XY

In Sturm die Sonne spiegelt nicht Im Meer ihr heilig Angesicht.

Z

Zerbrich den Kopf dir nicht zu sehr, Zerbrich den Willen, das ist mehr.

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Illustration zu Ein gülden A B C

Interpretation

Das Gedicht "Ein gülden A B C" von Matthias Claudius ist eine alphabetische Sammlung von Lebensweisheiten und moralischen Lehren. Jeder Buchstabe des Alphabets wird genutzt, um eine kurze, prägnante Aussage zu formulieren, die den Leser zu einem tugendhaften und gottgefälligen Leben anleiten soll. Die Themen reichen von Bescheidenheit und Geduld über die Bedeutung von Liebe und Gerechtigkeit bis hin zur Vergänglichkeit des Lebens und der Welt. Claudius betont die Wichtigkeit eines geistigen Reichtums gegenüber materieller Armut und warnt vor den Verlockungen der Welt wie Geld, Lust und Ruhm. Er ermutigt den Leser, Tugenden wie Vergebung, Geduld und Selbstreflexion zu pflegen und sich auf das ewige Leben nach dem Tod zu konzentrieren. Das Gedicht ist durchdrungen von christlichen Werten und einer tiefen Spiritualität, die den Menschen auffordert, sein Leben nach göttlichen Maßstäben auszurichten. Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, doch die Botschaften sind tiefgründig und zeitlos. Claudius nutzt bildhafte Vergleiche und Metaphern, um seine Gedanken zu veranschaulichen, wie zum Beispiel das Kreuz als "Kraut, das ohne Blüte Früchte trägt". Das Gedicht ist eine Einladung zur Selbstreflexion und zum Streben nach einem Leben in Harmonie mit Gott und den Mitmenschen.

Schlüsselwörter

gott armut blut herz gutes nimm menschen herr

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Für was du Gutes hier getan
Anapher
Ich bitte dich, ich bitte dich
Apostrophe
O Herr lehr uns bedenken wohl
Bildsprache
In Sturm die Sonne spiegelt nicht Im Meer ihr heilig Angesicht
Hyperbel
Zerbrich den Kopf dir nicht zu sehr
Kontrast
Armut des Geistes Gott erfreut; Armut, und nicht Armseligkeit
Metapher
Sie ist Schaum, der zusammenfällt
Personifikation
Nimm wahr der Zeit; sie eilet sich
Reimschema
AABB
Symbolik
Creuz ist ein Kraut, wenn man es pflegt