Ein Generalleutnant singt

Alfred Lichtenstein

1914

Ich bin der Herr Divisionskommandeur, Seine Exzellenz. Ich habe erreicht, was menschenmöglich ist. Ein schönes Bewußtsein. Vor mir beugen das Knie Hauptleute und Regimentschefs, Und meine Herren Generäle Horchen auf meinen Befehl. Wenn Gott will, beherrsche ich nächstens Ein ganzes Armeekorps. Frauen, Theater, Musik Interessieren mich wenig. Was ist das alles gegen Parademärsche, Gefechte. Wäre doch endlich ein Krieg Mit blutigen, brüllenden Winden. Das gewöhnliche Leben Hat für mich keine Reize.

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Interpretation

Das Gedicht "Ein Generalleutnant singt" von Alfred Lichtenstein beschreibt die Selbstwahrnehmung eines hohen Militärs, der stolz auf seinen Rang und seine Macht ist. Der Generalleutnant sieht sich selbst als jemanden, der alles erreicht hat, was menschenmöglich ist, und genießt die Anerkennung und den Respekt seiner Untergebenen. Sein Selbstbewusstsein ist geprägt von der Vorstellung, dass er über Leben und Tod seiner Soldaten bestimmen kann und dass sein Wort Gesetz ist. Der Generalleutnant zeigt jedoch auch eine gewisse Distanz zu den Dingen des alltäglichen Lebens. Frauen, Theater und Musik interessieren ihn wenig, da er diese als unwichtig im Vergleich zu den Dingen ansieht, die ihm wirklich wichtig sind: Paradezüge, Gefechte und Krieg. Er sehnt sich nach einem Krieg, in dem er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und seine Macht weiter ausbauen kann. Das gewöhnliche Leben hat für ihn keine Reize, da er nur in der militärischen Hierarchie und im Krieg seinen Sinn sieht. Das Gedicht wirft ein beunruhigendes Licht auf die Denkweise eines Militärs, der den Krieg als Mittel zur Selbstverwirklichung und Machterweiterung betrachtet. Die Sehnsucht des Generalleutnants nach einem blutigen Krieg mit "brüllenden Winden" zeigt eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leid, das ein solcher Krieg mit sich bringen würde. Das Gedicht kritisiert somit die Verherrlichung des Krieges und die Gefahr, die von Menschen ausgeht, die in der militärischen Hierarchie aufsteigen und ihre Macht missbrauchen könnten.

Schlüsselwörter

herr divisionskommandeur exzellenz habe erreicht menschenmöglich schönes bewußtsein

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Stilmittel

Anapher
Ich bin der Herr Divisionskommandeur, Seine Exzellenz.
Antithese
Das gewöhnliche Leben Hat für mich keine Reize.
Hyperbel
Ich habe erreicht, was menschenmöglich ist.
Ironie
Vor mir beugen das Knie Hauptleute und Regimentschefs.
Kontrast
Frauen, Theater, Musik Interessieren mich wenig. Was ist das alles gegen Parademärsche, Gefechte.
Metapher
blutige, brüllende Winden