Ein Gebet an den Mars

Anna Louisa Karsch

1792

Du Gott des Krieges, laß die Erde! Dein Schritt, mit Blut bemerkt, ist fürchterlich, ist schwer, Verändre doch die schreckliche Gebärde, Und schüttle länger nicht den Speer. Dein wartet der Olymp, und Amor mit dem Bogen Lauscht an der Mutter Fuß. Steig von des Mordens Bahn Zur Göttin; dann betrüg’ den schlafenden Vulkan, Wie er vor Zeiten ward betrogen. Von Waffenschmieden ist er matt, Wie Venus, die nach dir sechs Jahr geschmachtet hat. Wie reizend liegt sie da im Elisäer Lenze! Die Nymphe windet dir und Venus Mirtenkränze, Mit Blumen untermengt. Schon gießt sie Nektartrank In goldne Schaalen ein; und wenn auch Götter krank Für heißer Sehnsucht sind, so ist’s gewiß Cythere! Horch im Getümmel auf, sie seufzet göttlich, höre! Begieb vom Kampfplatz dich zurück, Geharnischt wie du bist, an Haupt, an Arm und Fuße. Cupido zieht dich aus, und deinem ersten Kusse Dankt unsre ganze Welt ihr Glück. Der Zorn in einer Frau rief, Mavors, dich hernieder, Die Sehnsucht einer Frau hol’ dich den Göttern wieder, Und ewig komm’ uns nicht zurück.

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Illustration zu Ein Gebet an den Mars

Interpretation

Das Gedicht "Ein Gebet an den Mars" von Anna Louisa Karsch ist eine poetische Bitte an den Kriegsgott Mars, die Erde zu verlassen und in den Olymp zurückzukehren. Die Autorin beschreibt den furchterregenden Einfluss des Krieges und bittet den Gott, seine schreckliche Gebärde zu verändern und den Speer nicht länger zu schütteln. Sie erinnert Mars daran, dass der Olymp und Amor auf ihn warten und dass er sich von der Bahn des Mordens zur Göttin Venus begeben soll. Die zweite Strophe verdeutlicht die Sehnsucht Venus' nach Mars und ihre Müdigkeit nach sechs Jahren des Wartens. Die Autorin beschreibt die verführerische Schönheit Venus und wie sie Mirtenkränze für Mars und sich selbst flechtet. Sie erwähnt auch den Nektar, den Venus in goldene Schalen gießt, um Mars zu besänftigen. Die Sehnsucht der Götter nach einander wird betont, und die Autorin bittet Mars, auf die seufzende Venus zu hören und vom Schlachtfeld zurückzukehren. In der letzten Strophe wird die Bitte an Mars erneuert, sich aus dem Kampf zu begeben und sich von Amor ausziehen zu lassen. Die Autorin betont, dass der erste Kuss zwischen Mars und Venus der ganzen Welt Glück gebracht hat. Sie erinnert Mars daran, dass der Zorn einer Frau ihn herabgerufen hat, und bittet nun die Sehnsucht einer Frau, ihn zu den Göttern zurückzubringen. Die Autorin schließt mit der Hoffnung, dass Mars niemals zurückkehren möge, um weiteren Krieg und Leid auf der Erde zu vermeiden.

Schlüsselwörter

venus sehnsucht zurück frau gott krieges laß erde

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Begieb vom Kampfplatz dich zurück
Anspielung
Wie er vor Zeiten ward betrogen
Apostrophe
Du Gott des Krieges, laß die Erde!
Enjambement
Und ewig komm' uns nicht zurück
Hyperbel
Wenn auch Götter krank Für heißer Sehnsucht sind, so ist's gewiß Cythere!
Metapher
Dein Schritt, mit Blut bemerkt
Personifikation
Dein wartet der Olymp, und Amor mit dem Bogen Läuscht an der Mutter Fuß
Vergleich
Von Waffenschmieden ist er matt, Wie Venus, die nach dir sechs Jahr geschmachtet hat