Ein Frühlingsabend

Georg Trakl

1887

Ein Strauch voll Larven; Abendföhn im März; Ein toller Hund läuft durch ein ödes Feld Durchs braune Dorf des Priesters Glocke schellt; Ein kahler Baum krümmt sich in schwarzem Schmerz.

Im Schatten alter Dächer blutet Mais; O Süße, die der Spatzen Hunger stillt. Durch das vergilbte Rohr bricht scheu ein Wild. O Einsamstehn vor Wassern still und weiß.

Unsäglich ragt des Nußbaums Traumgestalt. Den Freund erfreut der Knaben bäurisch Spiel. Verfallene Hütten, abgelebt′ Gefühl; Die Wolken wandern tief und schwarz geballt.

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Illustration zu Ein Frühlingsabend

Interpretation

Das Gedicht "Ein Frühlingsabend" von Georg Trakl zeichnet ein düsteres und melancholisches Bild eines Frühlingsabends in einem Dorf. Die Natur wird in harten, fast schon krankhaften Bildern beschrieben: ein Strauch voller Larven, ein toller Hund, der durch ein ödes Feld rennt, ein kahler Baum, der sich in schwarzem Schmerz krümmt. Die Atmosphäre ist von Verfall und Einsamkeit geprägt, was durch die Beschreibung von verfallenen Hütten und einem abgelebten Gefühl noch verstärkt wird. In der zweiten Strophe gibt es einen kurzen Moment der Schönheit und des Friedens, als Mais unter alten Dächern blutet und ein Wild durch das vergilbte Rohr bricht. Doch auch diese Momente sind von einer tiefen Melancholie durchzogen, die sich in der Beschreibung des "einsamstenens vor Wassern still und weiß" widerspiegelt. Der Traum des Nußbaums ragt unsäglich in den Himmel, während die Wolken tief und schwarz geballt über das Dorf ziehen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Stimmung von Verfall, Einsamkeit und Melancholie, die typisch für Trakls Werk ist. Die Natur wird als krank und leidend dargestellt, und selbst die Momente der Schönheit sind von einer tiefen Traurigkeit durchdrungen. Das Gedicht ist eine eindringliche Darstellung der menschlichen Existenz in einer Welt, die von Leid und Verfall geprägt ist.

Schlüsselwörter

strauch voll larven abendföhn märz toller hund läuft

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Abgelebte Hütten, abgelebt Gefühl
Bildsprache
Im Schatten alter Dächer blutet Mais
Hyperbel
Unsäglich ragt des Nußbaums Traumgestalt
Kontrast
O Einsamstehn vor Wassern still und weiß
Metapher
Ein Strauch voll Larven
Personifikation
Ein kahler Baum krümmt sich in schwarzem Schmerz